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Jakub – Dunkelretreat zum Geburtstag

Es ist ungefähr einen Monat her, dass ich bei euch war, und es ist viel passiert. Und so wie Tomáš mir versichert hat, dass alles so ist, wie es sein soll, so nehme ich es auch wahr. Manchmal geh ich damit wohl meinem Umfeld auf die Nerven, aber das ist mir ziemlich wurscht :o)

Als ich mich schon fast ein Jahr vorher für November in den Kalender eingetragen hab, dachte ich mir, das ist eine Ewigkeit, bis ich zum Dunkelretreat komme, na und so hab ich vorher noch nach einer anderen Möglichkeit gesucht, früher als bei euch, und auch was gefunden. Das war irgendwo in Mähren, dafür aber schon im Juli, und so fing ich an mich zu freuen, dass es bald so weit ist (es war Februar :o)).

Na ja, nur hab ich dann den Termin für die Dunkeltherapie in letzter Minute meinem besten Kumpel überlassen, der es dringender und sofort gebraucht hat.

Alles ist, wie es sein soll

Und wie gesagt, alles ist so, wie es sein soll, und ich hab den November erlebt.

Die Anreise war entspannt, ich kam nach einem anstrengenden Wochenende im Böhmerwald, wo ich beim holotropen Atmen war.. (kann ich auch empfehlen), und so bin ich ziemlich schnell umgefallen und hab geschlafen. Am ersten Tag hatte ich das Gefühl, dass ich die Stimme in meinem Kopf nicht anhalten kann, was mir fast nie gelingt :o), und so hab ich angefangen, Übungen zu machen, Gitarre zu spielen und die Hütte zu erkunden, um meinen Verstandesteil zu befriedigen.

Wann kommt denn endlich das Spirituelle?

Ich hatte den Eindruck, dass danach der spirituelle Teil kommt, aber die Stimme war immer noch da und hat genervt :o) … nein, das nicht, aber ich war wohl, wie man im Sport sagt, übermotiviert und hab erwartet, dass ich die ganze Woche durch die Astralwelten fliege.

Nichts davon ist eingetreten, ich hatte nur mehr Zeit, Gefühle zu beobachten und mich an Erlebnisse zu erinnern, angenehme wie negative. Was diese Gefühle in mir ziemlich stark geweckt hat, wohl um einiges stärker als im Licht in der Matrix.

Dunkelretreat zum Geburtstag

Einen Teil des Retreats hab ich dem Planen gewidmet, bei dem es bisher auch geblieben ist. Aus der Dunkelheit bin ich direkt in meinen 35. Geburtstag gegangen und hab ihn nicht wirklich genossen, weil ich heimkam wie ein geprügelter Hund. Die ganze letzte Nacht hab ich fast nicht geschlafen, weil ich mich während der Woche umgedreht hatte und tagsüber viel geruht hab. Also war die Familie, die einen ausgeruhten Burschen erwartet hat, der eine Woche auf der faulen Haut lag, ein bisschen überrascht, aber trotzdem war es ein wunderschönes Wiedersehen.

Die Begrüßung am Morgen von Tomáš war super. „Willkommen im Licht“ und eine Umarmung. Sehr schönes Gefühl. Ein herrlicher Sonnenaufgang und dann ein Tee in der sehr angenehmen Umgebung eurer Familie.

Sehr geholfen haben mir die Gespräche mit den Begleitern beim Dunkelretreat, und weil ich dort gefastet hab, war das Dunkelretreat für mich ein Warten auf unsere Gespräche, ein Vorbereiten von Fragen und ein Nachsinnen über die Antworten.

Ich wünsche allen ganz viel Freude und den Hunden Schinken vom Knochen :o)

Jakub

Aleš – Ich hatte Angst vor dem Dunkelretreat

Angst vor dem DunkelretreatIch gebe zu, dass ich schon immer eher ein ängstlicher Mensch war, und natürlich hatte ich auch vor dem Dunkelretreat Angst. Überraschenderweise aber nur bis zu dem Moment, in dem ich das Dunkelretreat angetreten und das Licht ausgemacht habe. Wie wohl jeder konnte ich mir sieben Tage allein in der Dunkelheit nicht vorstellen, obwohl es mir im normalen Leben überhaupt nichts ausmacht, viel Zeit mit mir selbst zu verbringen. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass ich ein Gespräch mit dem Begleiter ablehnen und mit niemandem reden wollen würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich aus der Dunkelheit gar nicht mehr raus will.

Das Dunkelretreat in echt

In Wirklichkeit bin ich am Anfang an mein Dunkelretreat ein bisschen wie an eine Militärübung herangegangen, aber das hat sich nach 2-3 Tagen völlig aufgelöst, und ich fing an, unglaublich tiefe und angenehme Meditationen zu erleben. Von der Militärübung habe ich mich verabschiedet, denn der Fall, in dem diese Art von Reizentzug als Folter eingesetzt wird, unterscheidet sich deutlich vom Dunkelretreat als Dunkeltherapie, bei dem man dir unglaublich leckeres Essen bringt und angenehm und freundlich mit dir umgeht. Die Meditationen selbst waren aber nicht das Beste. Nach der Meditation habe ich mich meistens für eine Weile hingelegt (ich schätze 30 Min. bis 2 Stunden) und etwas erlebt, das ich nicht ganz genau beschreiben kann – im Grunde ging die Meditation selbst noch tiefer weiter. Ein gläubiger Mensch, was ich im eigentlichen Sinne nicht bin, würde es wohl so beschreiben, dass „Gott ihn berührt hat“. Mir ist passiert, dass ich NICHTS (nicht) erlebt habe. Keine Gedanken, Gefühle, Ängste, Sorgen, aber auch keine Glückswellen, keine Freude in dem Sinne, wie wir sie aus dem normalen Leben kennen. Trotzdem sind mir in diesem Zustand sehr oft Tränen geflossen, verbunden mit einem Gefühl der Glückseligkeit, und ich spürte etwas, das ich bis dahin nie gespürt hatte und mir auch nicht vorstellen konnte. Oder vielleicht doch erlebt, als ich verliebt war, aber das hier war auf eine Art eine bewusste Liebe.

Ein Dunkelretreat in mir selbst

Ziemlich oft hatte ich das Gefühl, dass ich gar nicht will, dass jemand zu mir kommt. Trotzdem habe ich ein- oder zweimal Tomáš um ein Gespräch gebeten, das für mich dank seiner großen Feinfühligkeit und Offenheit und meiner Feinfühligkeit und Offenheit (die in meinem Fall von der Dunkelheit ausgelöst wurde) sehr wertvoll war, und ich danke dir sehr für diese Momente, Tomáš!

Die erwartete Krise im Dunkelretreat

Zum Schluss würde ich sagen, dass ich auf eine Krise vorbereitet war, die ganz sicher kommen würde und gegen die ich kämpfen müsste. Umso überraschter war ich, als keine Krise kam. Leicht war es bestimmt nicht, aber – Angst an sich, der Drang, das Licht anzumachen, früher zu gehen, alles hinzuwerfen – das kam kein einziges Mal. In der letzten Nacht konnte ich nicht schlafen, weil ich wusste, dass ich am Morgen gehe, und ich wollte nicht gehen. Ich habe mich auf meine Familie gefreut, und zwar sehr, aber vielleicht weil mein Dunkelretreat ziemlich glatt lief, wollte ich nicht im Geringsten raus.

Ich habe mich neu verliebt

Die Rückkehr nach Hause war unglaublich – meine Frau war wieder die Schönste von allen, und ich habe mich neu verliebt, als wäre ich 15. Ich habe jedes ihrer Worte wahrgenommen und jeden kleinen Schritt unserer Tochter genossen. Pure Herrlichkeit. Für die Zukunft denke ich schon über ein längeres Retreat nach oder über ein gleich langes in Kombination mit Fasten.

Ich danke euch beiden sehr!

Aleš

Anna – Zusammenbruch während des Dunkelretreats

Liebe Lenka, lieber Tomáš,

schon seit einigen Tagen denke ich darüber nach, meine Gefühle über das Dunkelretreat aufzuschreiben, aber irgendwie finde ich immer noch keine Worte, die Gedanken und Gefühle sind so verwirrend.

Am besten würde ich das alles mit einem Gefühl ausdrücken…..ich weiß, dass ich nichts weiß .

Das Dunkelretreat und wie alles anfing

Vor ungefähr einem Jahr bin ich einem intuitiven Ruf gefolgt und habe Informationen über das Dunkelretreat gefunden. Ich habe im Internet recherchiert, Artikel gelesen, euch gefunden, einen Termin gebucht, die Anzahlung bezahlt, die Terminbestätigung bekommen, und erst dann habe ich mir die Frage gestellt, was ich da eigentlich getan habe……der Beginn ist ja noch so weit weg.

Von diesem Moment an war der Gedanke allgegenwärtig: Ich gehe ins Dunkelretreat. Irgendwie beschleunigte sich alles um mich herum, alles ging zu Ende, schloss sich ab, spitzte sich zu und erschöpfte mich unglaublich. Ich spürte, dass das Dunkelretreat für mich ein Neuanfang sein würde und dass ich deshalb alles abschließen, beenden und nichts mitnehmen muss…..und so geschah es auch.

Der Tag des Dunkelretreats kam, Angst, Erschöpfung von allem Erlebten, Verwirrung, aber auch eine leicht freudige Erwartung, alles wird sich ändern, ab jetzt wird es nur noch besser.

In der Hütte habe ich mich orientiert, geduscht, das Licht ausgemacht, mich aufs Bett gesetzt und mich glücklich gefühlt, ich bin hier und alles kann beginnen……ich habe mich mit der Hütte, dem Ort, der Dunkelheit verbunden und alles dem Universum überlassen…..ich konnte einschlafen…….

Das Aufwachen und zugleich eine Stimme im Kopf, die bis zum Ende des Aufenthalts blieb. Das Aufwachen war für mich ein Schock, Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Panik und der Wunsch, wegzulaufen. Ich weiß gar nicht, warum ich nicht weggelaufen bin und es geschafft habe, auf Lenka zu warten. Ich habe nur geweint, dass ich das nicht schaffe und nach Hause will……. Lenka setzte sich zu mir, streichelte mich und sagte mir, dass ich gehen kann …..das sehe ich als Wendepunkt, sie hat meine Angst einfach mit mir geteilt, hat mich nicht überredet, nicht diagnostiziert und nicht bewertet, sie bot mir an, noch einmal zu mir zu kommen. Das lehnte ich ab, und wir vereinbarten, dass ich versuche, es bis zum nächsten Tag zu schaffen.

Ich schaffte den nächsten Tag, und Tomáš kam, und es gab ein weiteres Gespräch. Zwischen uns dreien geschah etwas…ich hatte das Gefühl, dass wir uns begegnen sollten und das Dunkelretreat nur das Werkzeug für diese Begegnung war. Wahrscheinlich sollte es so sein, und die nächsten drei Tage erlebte ich verbunden mit Lenka und Tomáš, und alles änderte sich an dem Tag, als Lenka mir das Essen brachte, mir alles sagte, was sie für nötig hielt, und mich umarmte. In dieser Umarmung waren Liebe, Verständnis und vor allem Mitgefühl und Erleichterung. Die folgenden Tage drehten sich nur noch um mich, mein Leben, meine Illusionen, Erwartungen, Vorstellungen.

Ich bin verloren und unglücklich

Mir wurde bewusst, wie verloren und unglücklich und erschöpft ich bin. Heute weiß ich, dass ich das spüren musste, damit ich nicht länger falsch vorspiele, dass ich alles schaffe, damit ich mich nicht ständig unter Druck setze, du musst, du schaffst das……noch das und dann das, und wo ist die Freude, einfach nur zu sein.

Die Dunkelheit und Ich. Sehr bald hatte ich das Gefühl, dass Dunkelheit nur die Abwesenheit von Licht ist….als ob ich alles sehen und nicht sehen würde, es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Die Dunkelheit hat es mir erlaubt, zusammenzubrechen, hektoliterweise Tränen zu weinen, die Bremsen von Schmerz und Verzweiflung zu lösen. In der Dunkelheit habe ich Übungen gemacht, meditiert, war an der Grenze zwischen Wachen und Schlafen, habe gesungen, getanzt, gezeichnet……..die Dunkelheit schränkt nicht ein, sie ist genauso inspirierend wie das Licht.

Die Stimme im Kopf während des Dunkelretreats

Die Stimme im Kopf……das wird ein langes Kapitel. Man konnte ihr nicht entkommen, sie log mir etwas vor, flüsterte mir etwas ein, heftete sich immer an etwas und spann eine Geschichte weiter….ein Wendepunkt und die Stimme des Herzens: Wer geht schon ins Kino, immer in denselben Film, und dann noch in so einen Schund . Bin ich die Stimme im Kopf, wie identifiziere ich mich mit ihr, wie beeinflusst sie mein Leben, meine Gesundheit, meine Realität…wer kann diese Stimme verändern, wie viel Raum nimmt sie in meinem Leben ein…..das war ein seltsames Spiel, und am eigenen Leib habe ich durchlebt, was ich so oft gehört, gelesen und nicht verstanden hatte. Jetzt habe ich es durchlebt, verstehe ein bisschen mehr und kann meine Realität beeinflussen, wie ich mich fühle, wie ich mich wahrnehme.

Die Dunkelheit und das Essen. Hier schreibe ich nur das, was auch die anderen schreiben…. Lenkas Küche und Kochen mit Liebe, bezaubernd…. Was mich aber sehr überrascht hat, war eine seltsame Verbindung mit dem Essen, oder mit mir selbst, das weiß ich wirklich nicht…..ich habe immer nur so viel gegessen, wie nötig war, und keinen Löffel mehr. Das hat mich echt überrascht. Ein feierlicher Moment war für mich das Trinken der Kräutertees, wenn ich es über die Kräuter geschafft habe, nach draußen zu gelangen und die Verbundenheit mit dem Universum zu spüren, das ist mir beim Teetrinken jedes Mal gelungen. Das waren bezaubernde Momente.

Nach dem Ende des Aufenthalts habe ich mich unglaublich auf zu Hause und auf meine Lieben gefreut und war auf dem Gipfel der Glückseligkeit, dass ich einfach nur sein kann, einfach nur in Liebe sein.

Nach dem Dunkelretreat lerne ich alles neu

Wie ich heute lebe. Wie nach einem Zusammenbruch. Ich lerne alles neu, mich anzuschauen, die Welt, alles Einschränkende, alles Inspirierende……ich weiß es wirklich nicht. Ich habe viel Schmerz, Angst, Sorgen hinter mir gelassen……zaghaft gehe ich auf Freude, Liebe, Teilen, Schaffen, Sein zu. Ich mache kleine Schritte, alles ist irgendwie neu und lässt sich noch nicht gut beschreiben….wie ich am Anfang geschrieben habe…ich weiß, dass ich nichts weiß.

Von Herzen danke ich euch, dass ihr mir diesen Zusammenbruch ermöglicht habt, für das Gefühl der Hoffnung.

Lasst es euch richtig gut gehen.

In Liebe und Respekt, Anna

 

P.S. Der Name der Teilnehmerin wurde zum Schutz ihrer Anonymität geändert.

Pavla – das halbe Jahr Warten auf das Dunkelretreat hat sich gelohnt

Für das Dunkelretreat war ich schon über ein halbes Jahr angemeldet. Über diese Erfahrung hatte ich schon vor einigen Jahren nachgedacht, aber wie es so ist: Der Lehrer erscheint erst, wenn der Schüler bereit ist.

Dunkelretreat im östlichen Heiligtum

Die Entscheidung war gefallen, und es blieb nur noch, einen Termin zu finden. Mich lockte die östliche Hütte, und so habe ich das Datum auch nach dieser „Sehnsucht“ ausgesucht.

Schon einige Wochen vor dem Retreat hatte ich ein paar Freunden von meinem Vorhaben erzählt. Und je mehr ich darüber sprach, desto mehr Fragen kamen auf mich zu, die mich zu irgendwelchen Erwartungen verleiteten – „Warum gehe ich dorthin?“ „Was werde ich dort machen?“ „Habe ich keine Angst vor der Einsamkeit, der Stille, der Dunkelheit?“ Das alles wollte ich nicht an mich heranlassen und nicht darüber nachdenken, also habe ich mit niemandem mehr groß darüber gesprochen. Ein bisschen Lampenfieber gab es in der letzten Woche vor dem Retreat dann aber doch – ich würde sagen, wegen der Reise selbst und des Unbekannten.

Die Reise nach Lomec war wirklich interessant J. Ich fuhr mit dem Zug aus Brno los, und fast 4 Stunden Fahrt lagen vor mir. Als ich die Fahrkarte nach Bykáň kaufte, sagte mir die Frau am Schalter mit einem Lächeln, dass sie keine Ahnung gehabt habe, dass es so eine Haltestelle gibt, und dabei arbeite sie schon 17 Jahre bei der Bahn J. „Na gut“, dachte ich mir…ich fahre in vergessene Gegenden…das war schon verlockend. Interessant war auch, dass sich nacheinander drei Leute in „mein“ Abteil setzten und nach einer Weile (oder eher erst, als der Schaffner kam) feststellten, dass sie in den falschen Zug gestiegen waren. Was soll man davon halten…natürlich kam mir der Gedanke, ob nicht auch ich „in die falsche Richtung fahre“ – gemeint allerdings in einem etwas spirituelleren Sinn.

Ansonsten verging die Zugfahrt aber schnell, und ich habe ein Buch (Die Sonne geht im Osten unter) ausgelesen, das ich von einer Freundin bekommen hatte…eigentlich auch über so eine Reise.

Zum Dunkelretreat bin ich nicht allein gegangen 🙂

In Kolín bin ich in den „Bummelzug“ nach Bykáň umgestiegen. Als die Haltestelle als nächste angesagt wurde, stürzte einer der Fahrgäste zur Tür, obwohl die Station noch gar nicht in Sicht war. Mein erster Gedanke war, dass das mein „Mitverdunkler“ ist (mir ist ein neues Wort eingefallen :), und auch ich ging schon zur Tür. Als wir ausgestiegen waren, ging dieser Fahrgast vor mir, und ich öffnete schon den Mund mit der Frage auf den Lippen: „Gehen Sie etwa auch nach Lomec in die Dunkelheit?“ Ich kam gar nicht dazu, die Frage auszusprechen, denn in dem Moment drehte er sich zu mir um und fragte, ob ich auch nach Lomec gehe J. Wir haben darüber gelacht und uns gemeinsam auf einen schönen Spaziergang gemacht.

Der Weg verging wunderbar schnell mit Erzählen, Staunen über die Landschaft, ein bisschen Verlaufen, Austauschen von Gefühlen über das Unbekannte und so weiter. Vor dem Ziel haben wir uns noch eine Weile hingesetzt und auf den „dritten Verdunkler“ gewartet. Kurz darauf kam er…wir wussten, dass er es ist…er irrte mit dem Auto durchs Dorf, und wir hatten unseren Spaß daran. Schon hier begann meine Intuition auf Hochtouren zu arbeiten. Normalerweise bereite ich alles im Voraus vor – den Reiseplan, welchen Weg ich nehme und so weiter. Diesmal war ich nicht besonders gründlich und überhaupt nicht nervös deswegen. Ich wusste, dass ich den Weg nicht kennen muss – der andere Fahrgast kannte ihn, und ich wusste auch, dass wir noch auf den „Dritten“ warten sollten J.

Nach der Begrüßung und dem Einrichten habe ich noch meine Lieben angerufen, und das Letzte, was ich draußen gesehen habe, war der Sonnenuntergang. Mit dem Ausschalten des Lichts habe ich ein wenig gezögert, habe noch ein Abendessen von zu Hause gegessen, meine Sachen geordnet, damit ich weiß, wo was ist, und dann habe ich mit leichter Unsicherheit das Licht ausgemacht.

Mit dabei hatte ich meine Lieblingssteine, Buntstifte, einen Block und andere „Freunde“, die mir Licht zeigten, wenn die Dunkelheit zu tief war. Jeden Tag habe ich meine Gefühle, Erlebnisse und Ideen aufgeschrieben, gemalt und so weiter. Bis heute dient mir das als Blick, als Einblick, als Rückmeldung, als festgehaltene Momente, in denen ich „bei mir“ war…und wohin ich jederzeit zurückkehren kann J.

Man hatte uns gesagt, dass man die ersten Tage meistens verschläft. Darauf hatte ich mich gefreut. Hm…diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Die ganze Woche habe ich nicht richtig geschlafen. Obwohl ich normalerweise ruhig und problemlos schlafe, in kürzester Zeit einschlafe und nachts nicht aufwache, hat sich hier alles umgedreht. Erstaunlicherweise war ich aber nicht müde.

Interessant war, dass mir nicht nur wenig Schlaf reichte, sondern dass auch das Hungergefühl auf ein Minimum schrumpfte. Ich habe 2x am Tag gegessen und das vorbereitete Essen oft nicht einmal aufgegessen. So wurde mir klar, dass meine Augen hungrig sind, nicht mein Körper. Und das sehe ich auch jetzt, nach einem Monat, wenn ich oft esse, ohne es wirklich zu brauchen. Ich sehe es einfach und bekomme Lust darauf. Für mich gilt also: Was die Augen nicht sehen, danach verlangt der Magen nicht J.

Die Tage vergingen sehr schnell. Oft bin ich in den Meditationen so weit gekommen, dass ich nach der Rückkehr in die „Realität“ das Gefühl hatte, als hätte ich „irgendwo“ eine unendlich lange Zeit verbracht.

Ich habe gelernt, meine Gedanken besser zu beobachten, meine Bedürfnisse wahrzunehmen, auf sie zu hören und in mein Innerstes zu gelangen. Dunkelheit und Ruhe unterstützen das, und auch heute noch, wenn ich mich besser „spüren“ will, suche ich Ruhe und Dunkelheit oder schließe die Augen.

Ich glaube, auch meine Intuition ist feiner geworden, und ich bin mir ihrer Stimme sicherer, wenn sie mir etwas zu sagen hat. Das habe ich sogar an so banalen Dingen gemerkt wie dem „Suchen“ eines Gegenstands im Dunkeln. Wenn ich etwas in die Hand nehmen wollte, wusste ich genau, wo es ist, ohne zu suchen. Ich wusste auch, wann Lenka kommt und wann Tomáš, und ich wusste sogar, was Lenka fragen wird.

Ein paar Mal ist es passiert, dass ich Angst und unschöne Gedanken in die Hütte eingeladen habe. Ich war aber noch nicht bereit, sie näher kennenzulernen, und so habe ich sie ziemlich leicht vor die Tür gesetzt. Vielleicht könnte man sagen, dass die Dunkelheit auch dafür da ist, diese „Gestalten“ kennenzulernen. Für mich war aber die Erkenntnis wichtiger, dass ich Gedanken beobachten und auch aus dem Kopf werfen kann, wenn ich sie nicht will, oder die Angst mit positiven Gedanken und dem „Ankommen im Hier und Jetzt“ überwinden kann.

Die letzte Nacht des Dunkelretreats

In der letzten Nacht konnte ich es kaum erwarten, frische Luft zu atmen. Mich begrüßten mein pelziger Freund Charlie, der Tag und Nacht bei unseren Hütten Wache hielt (dafür danke ich ihm sehr), und auch einer der Mitverdunkler (der Fahrgast). Mir ging es wunderbar…ich war so glücklich und gleichzeitig so stolz, dass ich es geschafft hatte J. Den Energieausbruch kann man gar nicht beschreiben. Ich fühlte mich völlig lebendig und euphorisch.

Das Dunkelretreat war für mich insgesamt ein Kennenlernen weiterer eigener Möglichkeiten und ein Erwachen der Intuition. Ich weiß, dass ich es schaffe, allein (mit mir) zu sein, die Angst vor dem Unbekannten zu überwinden, die Ruhe zu genießen und im Hier und Jetzt zu sein.

Jetzt, nach einem Monat, kann ich sagen, dass das Dunkelretreat eine Art Sprungbrett war, ein Tor, hinter dem die Dinge plötzlich…anders sind…ich weiß, dass nichts beständig ist…alles verändert sich…manches von selbst, aus seiner Natur heraus, manches aus Willen und Wollen, aus der Sehnsucht nach einem besseren, glücklicheren und ausgeglicheneren Leben J

Vielleicht mache ich mich noch einmal auf den Weg in die Dunkelheit, um meine Ängste näher kennenzulernen…und vielleicht auch nicht…vielleicht lasse ich sie gar nicht mehr in mein Leben…

Für die Möglichkeit zum Austausch, für die Einblicke, die Besuche und das großartige Essen danke ich Tom und Lenka

Pavla

Irena – Einen Monat nach dem Dunkelretreat

Meinen Platz für das Dunkelretreat habe ich ungefähr im Februar dieses Jahres reserviert. Damals hatte ich jede Menge Pläne, worauf ich in der Dunkelheit alles kommen würde. Wie ich meinen beruflichen Weg ordne, mir klar mache, was ich eigentlich machen will, meine Partnerbeziehungen ordne, damit ich endlich den Richtigen treffen kann, meine Beziehung zum Geld ordne, damit ich es endlich nicht mehr von mir wegtreibe, und überhaupt innerhalb einer Woche mein ganzes Leben in Ordnung bringe.

Angst vor dem Dunkelretreat

Gleichzeitig war es für mich auch eine Herausforderung im Sinne der Überwindung meiner Angst vor der Dunkelheit. Doch als die Monate vergingen, kamen Situationen auf mich zu, die mich zwangen, mein Leben laufend in Ordnung zu bringen. Und dann kam der September und die Zeit der Abreise. Mein einziges Ziel war nur noch, mich auszuruhen, richtig auszuschlafen und die ganze Woche in der Dunkelheit durchzuhalten. Den Abend vor der Abreise verbrachte ich mit meinem Freund und seinen Kumpels, was sich als sehr guter Schachzug herausstellte, denn am Samstag ging es mir so schlecht und ich war so müde, dass der Stress vor dem Ausschalten des Lichts ausblieb und ich mich auf diesen Moment wirklich sehr freute.

In der Dunkelheit habe ich die ersten Tage geschlafen

Die ersten zwei Tage habe ich verschlafen, und danach habe ich mich mehr oder weniger gelangweilt. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass etwas kommt, und es kam nichts. Schließlich kam es in Form eines Traums und der anschließenden Auflösung dieses Traums. Dabei hat mir Tomáš sehr geholfen, danke dafür 🙂 danach kam noch die eine oder andere Verinnerlichung von Dingen, die ich schon wusste, aber etwas zu wissen und es zu erleben, ist zweierlei.

Vor dem Ende des Dunkelretreats war mir übel

Am Abend vor der Abreise bekam ich riesige Angst, was ist, wenn alles anders ist, wenn ich nach Hause zurückkomme, und ich habe sehr stark somatisiert. Mir war übel, ich zitterte…

Der Übergang ins Licht war anstrengend, mir war sehr schwindelig, und zur „Normalität“ fand ich erst gegen ein Uhr mittags zurück.

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Dunkelretreat und Essen

Und noch ein paar Worte zum Essen 🙂 es war absolut hervorragend. In der Dunkelheit sind die Geschmäcker sehr intensiv, und ich habe mir außerdem nicht verraten lassen, welche Überraschungen mich erwarten, sodass meine Geschmacksknospen unter dem Ansturm der köstlichen Aromen regelrecht explodierten. Und dafür danke ich Lenka sehr 🙂

Ich danke euch beiden

Irča

Věra – Dunkelretreat, Spinnen und Demut

spider-1370180-640x480Hallo, ihr lieben Rouds, ich hab hier was für die anderen Teilnehmenden zusammengeschwitzt :)))!

Das Dunkelretreat

Als ich zum ersten Mal von der Dunkeltherapie hörte, zog es mich sofort an, so eine Erfahrung zu machen. Auf YouTube habe ich mir ein paar Erlebnisse anderer Menschen angehört, sehr schön ist der Dokumentarfilm “ V objetí tmy“, und ich habe auch das Buch „Tvarytmy“ von Jaroslav Dušek gelesen. So geschult trat ich an einem Samstag meinen eigenen Weg durch die Dunkelheit bei Familie Roud an, deren Website mich überzeugt hatte, dass ich in den besten Händen sein würde.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Familie und ihre wunderschönen Hunde habe ich mein künftiges Heiligtum gründlich angeschaut ( all meine Ängste vor Spinnen, die irgendwo in einer Ecke lauern, lösten sich in Luft auf – alles war blitzsauber, hell und einfach, um sich im Dunkeln zurechtzufinden) und meine einwöchige Reise durch die Dunkelheit begann mit dem Ausschalten des Lichts.

Kompromisslose Dunkelheit

Die Dunkelheit war vollkommen, hundertprozentig und kompromisslos, wie wir sie in der Stadt nie erleben können. Ich bat sie, freundlich zu mir zu sein, eine gute Kameradin, und mich die ganze Woche zu beschützen, und das hat sie wirklich erfüllt…..keine Ängste, keine unangenehmen Erlebnisse und keine Sorgen wegen der langen Zeit im Dunkeln haben mich die ganze Zeit über heimgesucht. Eher erlebte ich seltsame Lichterscheinungen, ich nannte sie 3D-Tapeten: An Wänden und Decke bildeten sich verschiedene Muster, zum Beispiel Steinwände wie in einer Höhle oder verzierte Gitter, auch verschiedene Möbel und Bilder, Blumentapeten….und alles schien aus den Wänden herauszutreten und ließ Wände und Decke schief wirken, die sich zum Beispiel nach unten neigte….das war unglaublich spannend, und der Weg zur Toilette war manchmal ein tolles Abenteuer – das alles aber nur in grauen, nicht sehr scharfen Tönen. Wahrscheinlich erlebt es aber jeder im Dunkeln anders. Für mich war es eine beruhigende, nachdenkliche und meditative Zeit, wie man sie im gewöhnlichen Trubel und der Hektik des Alltags nicht finden kann.

Tomáš und Lenka haben sich wunderbar um uns drei (in drei Hütten) gekümmert. Ihr Kommen, jeden Tag zu einer anderen Zeit, war für mich ein Anhaltspunkt, dass wieder ein Tag vergangen war, und die zweite Hälfte des Aufenthalts verging, zumindest für mich, schneller.

Das Ende des Dunkelretreats

Plötzlich war der Morgen da, an dem ich wieder….ganz, ganz langsam…die unermessliche Schönheit des Seins im Licht erblickte, die ein Mensch, der nie längere Zeit im Dunkeln verbracht hat, ganz selbstverständlich nimmt. Die Dunkelheit hat mir große Demut geschenkt, Bewusstsein und das Glücksgefühl, ein kleiner Teil dieser Schönheit sein zu dürfen, die wir jeden Tag, immer wieder aufs Neue erleben dürfen.

Danke an Tomáš und Lenka für dieses einzigartige und großartige Erlebnis. Ich empfehle allen ein Dunkelretreat, denn nachdem man ins Licht hinausgeht, werden die Werte des Lebens ein bisschen neu gemischt :)))!

Mit einem Lächeln, Liebe und Demut grüßt euch alle Věra.

Martin – Dunkelheit, Licht und eine Fliege

Vor dem Dunkelretreat – Licht

Der Anfang meines einwöchigen Dunkelretreats war klassisch … kurz nachdem ich das Licht ausgemacht hatte, legte ich mich hin und schlief. In dieser ersten Nacht kam ein Traum: Ich mache eine Dunkeltherapie, bin aber aus irgendeinem Grund wieder draußen im Tageslicht gelandet. Weil ich schon lange über ein Dunkelretreat nachgedacht und mich darauf gefreut hatte, versuchte ich mit aller Kraft, zurück in meine kleine Kammer zu kommen. Es gelang mir überhaupt nicht. Als ich dann am Morgen aufwachte, wurde mir klar, dass ich zum Glück nirgendwohin gegangen war, dass ich immer noch in der Dunkelheit bin – und mich überflutete buchstäblich ein Gefühl der Freude. Ein großartiger Anfang!

Nach dem Aufwachen folgten die unvermeidliche Erkundung der Umgebung, die Orientierung im Raum, die Morgenhygiene und ein wegen des begrenzten Platzes nicht besonders gelungener Versuch, mich auf der Isomatte zu dehnen. Dann wechselten sich Liegen und Sitzen, Wachen und Schlafen ab. Beim ersten Besuch von Lenka erzählte ich von meinem Traum und erfuhr, dass eine Frau in der Hütte nebenan schon überlegt, die Therapie abzubrechen. Wieder wurde mir bewusst, wie wohl ich mich fühle, und ich war sehr dankbar dafür.

Die ersten ungewöhnlichen Wahrnehmungen stellten sich am zweiten Tag ein: Bei schnelleren Lagewechseln begannen vor meinen Augen winzige „Flimmerpunkte“ aufzutauchen, als würden kleine Lichter zu blinken anfangen. Diese Lichter wurden mit jedem Tag häufiger und erschienen schon bei kleinsten Bewegungen. Zuerst erinnerten sie mich an kleine Funken. Später, als die Intensität zunahm, hatte ich eher den Eindruck eines Stroboskops, das irgendwo in einer Disco blitzt, und schließlich nahm es die Gestalt von Sonnenstrahlen an, die sich auf einem Teich spiegeln und verspielt niedliche Lichtflecken in meine Augen werfen – ob sie nun offen oder geschlossen waren.

Später ließen sich diese Lichtwahrnehmungen auch ohne Bewegung hervorrufen, allein durch Konzentration. Es gelang mir sogar, das Blinken zu beruhigen und in ein konstantes Licht zu verwandeln. Es war nicht schwer festzustellen, dass das Licht nicht von außen kommt, sondern von innen. Sein Brennpunkt lag im Brustbereich, und es durchflutete vor allem den unteren Teil des Gesichts bis hinauf zu den Lidern. Wenn ich mich beruhigte und nach innen konzentrierte, wurde es stärker und erleuchtete das ganze Gesicht mit einem buchstäblich unwirklichen Glanz. Es hatte einen weißen bis goldenen Schimmer. Meine eigene Beobachtung bestätigte mir so, was ich schon früher erfahren hatte: dass in uns Licht ist, dass wir dieses Licht, diese Energie sind. In einem Moment stellte ich mir vor, wie dieses unser kleines, scheinbar getrenntes Lichtlein nach dem Ende der Inkarnation zurück zur Quelle kehrt, und mich durchströmte ein unglaublich intensives Gefühl von Glückseligkeit und Wonne. Mir kamen zwei Worte in den Sinn: famose Sache!

Dunkelheit – ich und die Fliege

Ich gehe noch einmal zum Anfang zurück, als ich mir vor dem Ausschalten des Lichts die Räume der Hütte anschaute und an der Wand eine Fliege entdeckte. Mir kam der Gedanke, dass sie hier nicht unbedingt die beste Gesellschaft wäre, und ich beförderte die Fliege hinaus.

Später, etwa in der Mitte der Woche, hatte ich beim Einschlafen im Halbschlaf eine kurze Vision: Aus dem Nichts erschien ganz nah vor meinem linken Auge der Kopf eines Insekts mit großen Augen. Mein Auge bildete gleichsam die Trennwand zwischen uns, und durch sie hindurch starrten wir einander an. Es erinnerte auffallend an eine Szene aus einem Actionfilm, in der man aus dem Bürofenster eines Wolkenkratzers in die Scheiben eines schwarzen Hubschraubers blickt, kurz bevor er das Feuer eröffnet. Die Vision dauerte ein paar Sekunden, lang und intensiv genug, dass ich sie mir gut merken konnte.

Am nächsten Tag brachte mir Lenka wie gewohnt hervorragendes Essen, und als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, war kurz darauf aus dem Nichts in der Dunkelheit das typische Summen zu hören. Das war die Begrüßung. Danach folgte das Kennenlernen. Die Fliege startete ihre Angriffe von einer Seite zur anderen, rauf und runter, in alle Richtungen. In einem Raum von ein paar Quadratmetern kommt man sich dann vor wie in Pearl Harbor beim Angriff japanischer Kamikaze-Jäger. Wenn wir einen Sinn verlieren, verstärken sich angeblich die anderen, um den Verlust auszugleichen. Wenn man also nichts sieht, verstärkt sich automatisch das Gehör! Man kann sich leicht vorstellen, was für ein großartiges akustisches Erlebnis so eine Fliege in diesem kleinen Raum in der Dunkelheit bieten kann. Nach ein paar geflogenen Kilometern wird zum Glück aber auch eine Fliege müde, setzt sich und wird still. In dieser Position bleibt sie gewöhnlich genau so lange, bis man einzuschlafen beginnt. Dann startet sie wieder ihre Turbomotoren, und man kann sicher sein, dass sie Kurs auf die Nase oder das Ohr nimmt. Wenn sie dann mit unglaublichem Getöse versucht, ins Ohr hineinzukommen, und mit den Flügeln um sich schlägt, hat der von der Dunkeltherapie zur Ruhe gekommene Mensch das Gefühl, als würde ein großer Vogel auf ihm landen, mindestens so groß wie ein Rabe J

Am folgenden Tag brachte Tom das Essen, und auf meine Frage, was man mit der Fliege machen könnte, sagte er: nichts, in ein, zwei Tagen geht die Fliege ein. Ich solle es so sehen, dass sie aus irgendeinem Grund dort aufgetaucht ist und dass es so sein soll. Prompt fügte er die Geschichte von einem meditierenden Samurai hinzu, dem eine Fliege auf der Nase landet. Mit dem Schwert halbiert er sie in zwei Teile. Jedem Teil wächst dann ein Körper nach, und aus einer Fliege werden zwei. Der Samurai erledigt sie alle, und bald hat er einen ganzen Fliegenschwarm um sich. Schöne Geschichte, schöne Pointe. Ich akzeptiere die Fliege, kämpfe nicht gegen sie, damit das Problem nicht wächst, ich lasse es sich auflösen. Und tatsächlich: Die Fliege wird schwächer, immer leiser, die Angriffe werden seltener.

Am nächsten Tag, beim Bringen des Essens, denke ich gar nicht mehr an die Fliege und genieße es. Allerdings nur so lange, bis sich die Tür hinter Lenka schließt und nach einer Weile wieder das bekannte Summen ertönt. Diesmal aber lauter. Zu Besuch war nämlich offensichtlich eine frische Fliege gekommen, eine jüngere, neue Generation. Eine Fliege mit einem Elan, der den der ersten Fliege um ein Vielfaches übertraf. Und die Angriffe beginnen von vorn … J In der letzten Nacht ersetzte das humorvolle Universum die Fliege dann durch eine Mücke … J

Zurück zur Dunkeltherapie …

Während der ganzen Dunkeltherapie spürte ich, wie mich die Dunkelheit liebevoll in ihren Armen hält. Eine unendliche Dunkelheit ohne jegliche Begrenzung. Am fünften Tag, als ich auf dem Boden saß, durchfuhr es mich buchstäblich. Plötzlich hatte ich das Gefühl, den Umriss meines Beins zu erkennen. Rechts neben mir schien eine hellere Stelle zu sein, und wenn ich mit der Hand wedelte, verdeckte ich sie. Ich bekam den Eindruck, auch den Raum des Zimmers zu sehen. Ich bekam Gänsehaut. Es war unerwartet und hatte noch dazu einen überraschend unangenehm düsteren Beigeschmack. Ich wartete, was weiter passieren würde, aber zu meiner Überraschung verschwand es nach einer Weile, und es breitete sich wieder Dunkelheit aus. Es noch einmal hervorzurufen, gelang mir nicht mehr. Es blieb nur ein unangenehmes Gefühl, bei dem mir – ich weiß nicht, warum – die Prinzessin aus dem Märchen Bajaja einfiel, wie sie die Drachenhöhle betritt … Als ich mich dann nach einer Weile wieder hinlegte und einschlief, erschien eine kurze Vision eines Kinderbetts mit einer Decke und wechselnden Tierbildern. Mir wurde klar, dass es eine Szene aus meiner Kindheit war, und so versuchte ich, tiefer hineinzugehen und damit zu arbeiten. Es war ungemein interessant, und ich spürte, dass es auch reinigend war. In letzter Zeit neige ich immer mehr zu der Theorie, dass es nicht reicht, nur ein positiver „Gutmensch“ zu sein, sondern dass man, wenn man psychisch und körperlich gesund sein will, seine Traumata und Blockaden früher oder später einfach doch auflösen muss.

Während der ganzen Woche wechselten sich bei mir verschiedene Gefühle und Stimmungen ab, und ich nahm leicht wahr, wie das emotionale Pendel mal zur einen, mal zur anderen Seite ausschlug. Einmal spürte ich zum Beispiel gleich nach dem Aufwachen ein sehr angenehmes Strömen von Energie im Körper, sodass ich das Gefühl bekam, die Therapie werde mit jedem Tag interessanter und für echte „Feinschmecker“ sei eine Woche verflixt wenig. Ein anderes Mal fragte ich mich dagegen, was ich hier eigentlich mache, wo ich doch längst weiß, dass ich den Weg der Freude im gegenwärtigen Moment gehen sollte. Mir wurde klar, dass ein Menschenleben zu kurz ist, um es damit zu vergeuden, Dinge zu tun, die wir nicht tun wollen, und uns um etwas zu zanken, das eigentlich überhaupt nicht wichtig ist.

Zum Schluss zu meinem Dunkelretreat …

Nach dem Dunkelretreat fällt es mir jetzt leichter, mir die gleiche Lichtnatur aller Lebewesen bewusst zu machen und die Absurdität der Versuche, den Eindruck von Getrenntheit und Verschiedenheit voneinander zu erwecken. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass in Gefängnissen, wo sich die Menschen befinden, die sich am meisten in der Illusion der Getrenntheit verloren haben, die Teilnahme an solchen Therapien Pflicht wird. Auf Einwände wie, dass man Verbrecher nicht gegen ihren freien Willen in die Dunkelheit zwingen kann, würde ich mit der Frage antworten, ob nicht schon allein die Tatsache, dass sie im Gefängnis eingesperrt sein müssen, gegen ihren freien Willen ist? Damit dem Recht auf freien Willen aber Genüge getan wird, würde ich den Verbrechern eine Strafverkürzung im Tausch gegen eine Dunkeltherapie anbieten J

Lenka hat mich gebeten, bei der Beschreibung meiner Eindrücke und Erfahrungen auch eventuelle negative zu erwähnen (diesen sympathischen Ansatz schätze ich persönlich besonders). Es hat ziemlich lange gedauert, bis mir überhaupt etwas eingefallen ist, worauf ich irgendwie „negativ“ hinweisen könnte. Also … vielleicht nur, dass der Holzboden nicht knarren müsste, die elektrische Direktheizung beim Abkühlen manchmal laut knackt und ich mir die Dusche etwas größer gewünscht hätte 🙂

Außerdem würde ich eine energetische Reinigung der Räume bzw. Hütten empfehlen, in denen meiner Meinung nach die unterschiedlichsten Energien der vorherigen Gäste haften bleiben, die sich hier in recht großer Zahl abwechseln. Ideal wäre aus meiner Sicht das Gerät Somavedic, das solche Dinge zuverlässig reinigt (ich habe damit fast zwei Jahre Erfahrung). Ich denke, dass die Dunkelheit allein solche Dinge nicht beseitigen kann – sonst müssten die finsteren unterirdischen Kerker der Folterkammern auf Burgen, in denen Gewalttaten geschahen, zu den reinsten Orten überhaupt gehören. Dass es nicht so ist und dort negative energetische Abdrücke zurückbleiben, wissen wohl die meisten von uns …

Mein großer Dank gilt Lenka und Tomáš dafür, dass sie den Menschen diese Möglichkeit bieten. Großer Dank für ihre ganze Fürsorge für die Gäste. Ein besonderer Dank an Lenka für ihre großartigen, abwechslungsreichen Gerichte mit wunderbarem Geschmack, offensichtlich mit Liebe zubereitet.

DANKE!!!

Martin

Einen Monat nach der Dunkeltherapie …

An das Dunkelretreat denke ich immer noch als an eine interessante Erfahrung zurück. Ich habe ein wenig in mein Inneres geschaut. Vermittelt haben mir das aber weniger Visionen als vielmehr Emotionen, Gedanken, Intuitionen. In dieser Dunkelheit und Stille ließ sich so manches Interessante beobachten, zum Beispiel, dass Wörter mit Bildern verbunden sind. Spreche ich das Wort Haus aus, taucht im Kopf das Bild eines Hauses auf. Das ist ein automatischer und kurzer Vorgang, den wir normalerweise nicht bemerken. Das bestätigt mir die Theorie, dass es, wenn die Realität um uns herum eine Projektion unserer inneren Vorstellungen (Bilder) ist, offensichtlich gut ist, darauf zu achten, was wir sagen und worüber wir reden. Wir erschaffen es damit. Das ergibt für mich Sinn. Das ist eine wichtige Botschaft vor allem für die ewigen „Pessimisten, Jammerer und Schimpfer“ – uns ist das zum Glück schon bewusst.

Die interessanteste Erfahrung war wohl die mit dem inneren Licht, wie ich schon erwähnt habe. Wir sind aus Licht, Pflanzen ernähren sich von Licht, Tiere von Pflanzen oder anderem Fleisch, das wiederum nur „gespeichertes“ Licht ist. Wir könnten nur von Licht leben, wenn wir nicht die Programme hätten, dass wir essen müssen.

Mich persönlich reizt es nicht, endgültig auf Lichtnahrung umzusteigen und auf Essen zu verzichten. Was mich daran reizt, ist aber die Freiheit der Wahl. Nicht nur zu essen, weil ich muss und weil ich davon abhängig bin, sondern weil ich will. Heute weiß ich, dass ich überlebe, wenn ich 21 Tage nichts esse (nach meinem Fasten). Das ist so eine einundzwanzigtägige Gewissheit der Freiheit. Ich hätte aber ganz gern eine dauerhafte Freiheit, also zu wissen, dass ich jederzeit beliebig lange mit dem Essen aufhören und dann jederzeit wieder zurückkehren kann. Das wäre für mich der ideale Zustand. So sehr sehne ich mich dann aber auch wieder nicht danach, mir gefällt nur der Gedanke. Wahrscheinlich sollte ich aber damit anfangen, dass ich aufhöre, mich zu überfressen und mir damit Energie zu rauben 🙂 Aufhören zu essen beim ersten Sättigungsgefühl statt wie bisher „beim dritten Gefühl des Überfressenseins“! 🙂

Auf die Frage, ob ich mich im Dunkelretreat nicht gelangweilt habe, antworte ich, dass ich es nicht direkt Langeweile nennen würde. Fehlende Beschäftigung, ja, aber unter Langeweile stelle ich mir etwas anderes vor. Hier wusste ich die ganze Zeit, dass etwas passiert, auch wenn es vielleicht nicht so aussieht. Die Untätigkeit hatte ich geplant, also habe ich dort eigentlich die ganze Zeit meinen Plan „umgesetzt“ … 🙂 Es stimmt aber, dass jeder Lagewechsel, die paar Schritte zur Toilette, Tee holen, all das unglaublich angenehme Abwechslungen waren, buchstäblich ein Erlebnis – diese Momente habe ich ungemein genossen. Gelitten habe ich also nicht, aber es stimmt, dass ich mich darauf gefreut habe, es hinter mir zu haben.

Mir ist noch eingefallen, dass ich, als ich mich auf das Blinken zu konzentrieren begann und es sich zu einem konstanten intensiven Licht stabilisierte, plötzlich die wunderbaren Geräusche des nächtlichen, schlafenden Dschungels hörte, so wie ich sie von Expeditionen in den peruanischen Amazonas kenne. Genau so, wie wenn man nach einer Ayahuasca-Zeremonie in den Armen der Nacht ruht und die Verbindung mit der Natur, mit dem Universum genießt …. Am ersten Abend zu Hause habe ich die Dschungelgeräusche noch gehört, jetzt nicht mehr.

In der Dunkelheit habe ich oft an Ayahuasca gedacht. Wie auch nicht – beide erweitern das Bewusstsein, führen zum selben Ziel, nur jede auf etwas andere Weise. Während die Dunkelheit wie ein langsames Aufknöpfen einer Bluse ist, Knöpfchen für Knöpfchen, ist Ayahuasca das Aufreißen der Bluse mit einem einzigen Ruck 🙂

So viel zu meinem Nachtrag zum Dunkelretreat.

Martin

Týna – Die Dunkelheit ist meine samtene Freundin

Hallo Lenka und Tomáš,

der Mond ist von Vollmond zu Vollmond gewachsen, und ich habe mich daran erinnert, wie ich in seinem Schein aus dem Heiligtum getreten bin.

Ich trage immer noch Dankbarkeit in mir für alles, was ich beim Dunkelretreat gewonnen und gefunden habe, und auch für das, wovon mich die Dunkelheit befreit hat.

Nach dem Dunkelretreat fühle ich mich so wie noch nie zuvor.

An meinen Gefühlen hat sich in diesem Monat nichts geändert.

Die gewöhnliche Dunkelheit, die früher manchmal auch unheimlich und unberechenbar sein konnte, ist jetzt samtig. Sie ist zu einer Freundin geworden.

Für immer werden die Sonnenstrahlen ein bisschen anders scheinen, denn nicht nur auf die Oberfläche des Körpers, sondern auch in sein Inneres.

So wie an jenem Morgen über Lomec.

Interessant ist auch, was sich nach meiner Rückkehr gezeigt hat. Meine Umgebung hat die Veränderung bemerkt.

Sie rätseln, worin ich anders bin. Sie sagen, ich lächle irgendwie anders, wie von innen heraus. Dass man eine Gelassenheit spürt, die sie mit mir teilen können.

Einfach so. Wie ist das möglich? Sie wissen es nicht.

Ich weiß es und sage es nicht.

Liebe Grüße an euch und noch einmal danke

Týna

Tomáš – Dunkeltherapie nach 12 Jahren im Gefängnis

Hallo Tom,

ich schreibe dir, um meine Erfahrung mit der Dunkelheit zu teilen.

Zum ersten Mal bin ich mit acht, neun Jahren dem Christentum begegnet, und das ist an mir vorbeigegangen.

Als ich 12 war, erzählte mir ein ein Jahr älterer Freund von der Reinkarnation, an die ich sofort und ganz spontan glaubte – ich wusste einfach, dass es so ist. Aber jahrelang wusste ich darüber nur, dass ich nach dem Tod in die geistige Welt gehe und dann wiedergeboren werde, und habe nicht nach einer tieferen Bedeutung gesucht. Mit den Jahren kam ab und zu ein bisschen etwas zu mir, und der Horizont erweiterte sich ganz langsam, aber das Erwachen kam erst, als ich für lange 12,5 Jahre ins Gefängnis kam und mir klar wurde, dass passiert war, was nicht hätte passieren dürfen, und dass ich mein Leben ändern sollte.

Ich bin nicht froh über das, was passiert ist, aber über diese Jahre bin ich froh, weil sie mir viel gegeben haben. Ich habe meinen spirituellen Weg gefunden und ein großes Stück Arbeit an mir selbst geleistet.

Die letzten 4 Jahre im Gefängnis habe ich als Pfleger für körperlich behinderte Häftlinge in der Haftanstalt Pardubice gearbeitet und war entschlossen, alles zu tun, damit ich auch draußen als Pfleger arbeiten kann. Nach der Entlassung habe ich einen Kurs als Krankenpflegehelfer und einen Kurs als Mitarbeiter in sozialen Diensten gemacht, und ich bin überzeugt, dass ich alles getan habe, um als Pfleger zu arbeiten, aber ich hatte keinen Erfolg.

Ich wusste, dass ich es schwer haben würde und dass ich nach einer Alternative suchen sollte, in der ich mich genauso finden würde wie in der Pflege. Ich habe über diese Alternative nachgedacht, aber mir fiel nichts ein, und ich hing in der Pflege fest.

Anfang März erzählte mir ein Freund, dass er über Ostern zum holotropen Atmen fährt, und fragte, ob ich nicht mitkommen will. Ich sagte ihm aber, dass ich schon vor 3 Jahren hätte hinfahren sollen und am Ende nicht gefahren bin, weil ich mich nicht danach gefühlt habe, und lehnte ab, was mein Freund respektierte.

Gelbe Taglilien hinter einem schmiedeeisernen ZaunDann aber sah ich den Film „Das Dschungelkind“, der in mir unglaublich stark nachklang und mich zu der Entscheidung brachte, meine Berufung und mein Wesen zu suchen, um eine alternative Arbeit zu finden – und zum holotropen Atmen fuhr ich mit meinem Freund doch. Nach weiteren drei Wochen fuhr ich noch einmal und ging dann auch zu einer Regression. Im August wieder holotropes Atmen und gleich danach eine Woche mit Tänzen alter Traditionen.

Bei dieser Tanzwoche war ich nach zwei Jahren zum zweiten Mal, und hier erkannte ich und wurde mir bewusst, wie viel Arbeit ich an mir selbst geleistet hatte. Das Bemühen, das zu Ostern begann, ist kein Hüpfen von einem zum anderen, sondern eine spontane, schrittweise Arbeit, die ineinandergreift, aufeinander aufbaut und Sinn hat.

Und mitten hinein kam die Entscheidung, eine Dunkeltherapie zu machen, und ich spürte, dass auch sie ein Teil davon sein sollte – und das hat mich zu dir geführt.

Ich hatte Erwartungen an das Dunkelretreat

Ich kam mit einer Erwartung in die Dunkelheit, mit der Erwartung, dass auch die Dunkelheit mir auf diesem Weg helfen wird, und ich spüre, dass sie das erfüllt und mir viel gegeben hat. Konkrete Erwartungen, was ich im Dunkelretreat erleben werde, hatte ich nicht, das überließ ich ihr.

Vom Beginn am Samstag bis in die Nacht von Montag auf Dienstag habe ich viel geschlafen, und in den Momenten, in denen ich nicht schlief, fragte ich mich, ob es nicht so wird wie bei einer Frau, die auch eine Woche in der Dunkelheit war und mir sagte, es habe ihr nichts gebracht, sie habe nichts erlebt, sie sei einfach nur in der Dunkelheit gewesen. Also hatte ich Angst, dass es mir genauso geht, aber dann erfuhr ich von Lenka, dass es, selbst wenn es so wäre, für die Zukunft eine Bedeutung hat und bringen wird, was es bringen soll. Das hat mich beruhigt und mir die Kraft gegeben durchzuhalten – und das Gefühl, dass es Sinn hat. Ein weiteres Thema in diesen wachen Momenten waren Überlegungen über eine mögliche neue Beziehung zwischen mir und einer Frau, für die ich mich interessiere. In diesen Überlegungen überwog der Verstand, und ich sah es eher negativ. Und am Dienstag, als ich schon nicht mehr schlief, kam eine spontane Vision, bei der ich sofort verstand, dass sie mir Kraft geben und mir sagen will, dass die Beziehung eine schöne Zukunft hat. Diese Vision war dann in mir, und ich konnte sogar zum größten Teil ihre ganze Bedeutung deuten.

Danach war ich einfach nur in der Dunkelheit und sah ab und zu ein Licht am Rand des Blickfelds oder ein Licht in den Augen, das flackerte.

Am fünften Tag des Dunkelretreats kamen Bilder

Am Donnerstag, als ich aufwachte, kämpfte ich mit einem Traum, der unangenehm auf mich wirkte, und ich musste mir bewusst machen, dass es ein Traum war und wo ich bin. Das löste eine Folge von Bildern aus, die mir zu erscheinen begannen. Es waren Collagen, eine nach der anderen, sie wirkten unangenehm, und mein erstes Gefühl war, dass ich davor weglaufen sollte. Aber ich überwand mich, das Gefühl änderte sich, und mit den Worten „Na, dann komm“ war ich entschlossen, mich darauf einzulassen, und froh, dass etwas passiert. Die Bilder gingen weiter, sie wirkten nicht mehr unangenehm, doch dann wurden sie schwächer, bis sie verschwanden. Ich versuchte wieder einzuschlafen, in der Hoffnung, dass die Bilder beim Aufwachen zurückkommen, und das gelang mir auch, aber nicht mehr so intensiv, und bald verschwanden sie wieder, und es war vorbei. Beim dritten Mal klappte es nicht mehr, und ich verstand irgendwie, dass ich es mit meinem Bemühen, mich darauf einzulassen, vertrieben hatte.

Einige Zeit nach unserem Gespräch kamen wieder Bilder, die ich sowohl mit geschlossenen als auch mit offenen Augen sah, und diesmal beobachtete ich sie nur, nichts weiter. Zuerst kamen schöne Bilder, vor allem aus dem Tierreich. Ich sah ziemlich oft meine Krafttiere, mit denen ich im Schamanismus arbeite, aber auch andere. Es kamen auch negative und grauenvolle Bilder. Ich sah auch verschiedene Gestalten der Hölle. Aber alle Bilder ließen mich ruhig. Ich war nur Zuschauer, und selbst die grauenvollen erschreckten mich nicht und lösten keine Emotionen aus. Eher bei manchen positiven spürte ich angenehme Emotionen, zum Beispiel wenn es um ein mir bekanntes Krafttier ging oder wenn mich ein anderes Bild ansprach.

Am Freitagabend hatte ich weitere Visionen in Form von Bildern, Bäume und Tiere. Die einzelnen Bilder blieben länger als am Donnerstag, als sie ziemlich schnell aufeinanderfolgten, aber diesmal war die Gesamtdauer viel kürzer. An beiden Tagen habe ich zu diesen Bildern eine Zeit lang auch Flöte gespielt.

Die letzte Nacht der Dunkeltherapie, bevor der Wecker klingelte, war lang, sehr lang, und gegen Ende kamen weitere Visionen in Form von Bildern. Diesmal sehr beängstigende, vor allem in Rot und Schwarz. Ein von Eisen durchbohrter Kopf, verschieden aufgeschichtete Schädel in dieser grauenvollen Gestalt und weitere ähnliche Motive – Krieg, Kampf, Grauen und Entsetzen, aber eher ein älterer Krieg als die modernen des 20. Jahrhunderts. Diese Bilder zogen langsam vorbei und ließen mir genug Zeit, sie wahrzunehmen. Sie erschreckten mich nicht, ich war ruhig und wieder ein unbeteiligter Zuschauer, und irgendwie war mir klar, dass sie zum Thema Angst gehören, über das wir gesprochen hatten. Was mir leidtat, war, dass ich spürte, dass bald der Wecker klingeln würde und ich das Dunkelretreat mit diesem Negativen beenden sollte. Also versuchte ich, es zu ändern, ließ es aber bald wieder, weil mir klar wurde, dass ich es damit verschlimmern würde. Und so wünschte ich mir nur, dass alles mit etwas Positivem endet – und dieser Wunsch wurde mir erfüllt, die letzten Momente waren positiv.

Die Dunkeltherapie endete mit einer vom Mond erleuchteten NachtMond am Nachthimmel

Nach dem Weckerklingeln in den Garten hinauszugehen, als es noch dunkel war und am Himmel der abnehmende Mond mit den Sternen stand, war wunderschön. Und der Moment der Morgendämmerung war unglaublich, und ich war glücklich, im Licht zu sein, die Natur zu genießen und das Dunkelretreat bis zum Ende durchgezogen zu haben.

Während des Dunkelretreats hatte ich ein paar Momente, in denen ich überlegte, es zu beenden, aber nicht so stark, dass ich dagegen ankämpfen musste. Wie sie kamen, so gingen sie. Negative Emotionen kamen aus meinem Inneren nicht hoch, und ich hielt es mit mir selbst gut aus.

Unser Gespräch auf der Fahrt, als du mich nach Čáslav gebracht hast, hat mir geholfen, deine Haltung und deine Sicht auf die Welt ganz zu verstehen, und hat mir viel gegeben und gezeigt. Auch dafür danke ich dir sehr, denn das ist bereichernd.

Wenn du mein Erlebnis veröffentlichen möchtest, kannst du das gern tun – veröffentliche, was du für sinnvoll hältst, und wenn du willst, auch alles, ich habe kein Problem damit.

Dir und Lenka vielen Dank für alles, ihr habt mir sehr geholfen.

Ich wünsche euch schöne Tage und viel Glück auf eurem Weg

Tomáš

Týna – ich fühle mich großartig, auch nach der Abreise

Liebe Freunde in Lomec,

ich habe mir ein paar Tage Zeit gelassen, bis sich meine Gedanken gesetzt haben, und jetzt glaube ich, dass ich mit etwas Abstand in Worte fassen kann, was mir das Dunkelretreat gebracht hat.

Das Dunkelretreat begann schon, als ich aus dem Zug stieg

004Alles fing schon in dem Moment an, als ich in Bykáň an der Bedarfshaltestelle ausstieg. Die Sonne schien, ich schaute auf das Ortsschild und stellte fest, dass ich mitten im „Nichts“ stand. Zum Glück führte von dort nur ein einziger Weg weg. Also holte ich meine Trekkingstöcke heraus und machte mich auf den Weg. Sobald ich im Dorf Bykáň ankam, konnte ich mich schon ganz gut orientieren. Ich ging langsam, schaute mich in der Gegend um, fotografierte Hummeln auf einer Distel und nahm die Stimmung eines schönen, warmen Tages in mich auf.

Gleich 006am Ortsrand von Lomec begrüßte mich ein Kreuz und auf dem Dorfplatz noch eins. Ich setzte mich eine Weile auf die Bank an der Bushaltestelle. Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen. Na ja, und dann nahm ich das Handy und rief an. Tomáš lotste mich in die richtige Richtung. Ich ging einen sanften Hügel hinauf, und auf dem Weg liefen mir ein kleiner Junge und ein großer Hund entgegen. Der Junge rief: „Hallo Týna“. Ein wunderschöner Empfang.

Oben am Blockhaus wartete Tomáš. Wir gaben uns die Hand, und ich wusste, dass es mir dort gut gehen würde. Ich schaute mir das Heiligtum an, das auf mich wartete. Ich bekam alle nötigen Informationen und zwei Bananen und schaute mich noch eine Weile in der Umgebung um.

Es war Zeit für das Dunkelretreat

010Und dann war es Zeit, hineinzugehen. Ich legte meine Sachen neben das Bett, sah mir das ganze Häuschen an und ertastete es, duschte, saß eine Weile auf dem Bett, und dann stand ich einfach auf und machte das Licht aus. Vorsichtig ging ich zurück zum Bett und starrte mit weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit.

Die Reise mit zwei Schnellzügen und einem Regionalzug und dann noch der Fußweg von Bykáň – das hatte mich ziemlich geschafft. Ich legte mich hin und schlief ein. Nach dem Aufwachen lag ich noch eine Weile mit geschlossenen Augen da. Und dann öffnete ich sie in die Dunkelheit. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie spät es war.

Erlebnisse aus dem Dunkelretreat?

Meine eigenen, persönlichen werde ich nicht verraten, nicht verraten. Sie gehören einfach zutiefst mir und sind als solche im Grunde nicht mitteilbar. Schon deshalb, weil jeder von uns Erlebnisse durchs Leben trägt, von denen oft nur wir selbst oder unsere engsten Menschen wissen. Man kann kaum erwarten, dass ein Fremder sie versteht.

Deshalb habe ich beschlossen, nur ein paar Beobachtungen und Eindrücke aufzuschreiben.

-Was ist Dunkelheit? Die Dunkelheit ist alles, was dein Unterbewusstsein will, dass sie ist. Du hast eine Woche Zeit, damit sich dein Unterbewusstsein mit deinem Bewusstsein einigt. Damit die beiden sich miteinander klar werden und eins werden.

-Gleich am ersten Tag tauchte in meinem Kopf die Erinnerung an eine Diskussion auf, bei der ich vor etwa vierzig Jahren dabei war. Damals kam mir das zutiefst philosophisch vor. Es wurde die Möglichkeit aufgeworfen, dass das, was wir im Schlaf träumen, das wirkliche Leben ist. Während das, wovon wir überzeugt sind, dass wir es leben, ein Traum ist. Daraus wurde eine sehr hitzige Diskussion, in die ich mich nicht einmischte, ich hörte nur zu, tippte mir zwischendurch im Stillen an die Stirn und dachte mir meinen Teil. Jahrelang hatte ich nicht daran gedacht. Und plötzlich tauchte es wieder auf. Um mich herum war undurchdringliche Dunkelheit, keine „Handlung“, aber die Träume waren lebendig, natürlich farbig, sehr realistisch, anders als sonst zu Hause.

-Die Zeit wurde zu einem bloßen Begriff ohne Inhalt. Einmal am Tag kam Tomáš oder Lenka mit dem Essen. Aber ich hatte keine Ahnung, wie spät es sein konnte. Nur wenige Geräusche drangen ins Heiligtum. Ab und zu hörte ich einen Hund bellen, das Geräusch eines Viertakt- oder Zweitaktmotors, ein Flugzeug. Aber nichts davon ließ sich zeitlich irgendwie einordnen. Die einzige Angabe, die einen Wert hatte, war 18.30 Uhr am Samstag, als ich das Heiligtum betrat. Und von diesem Moment an dann erst der folgende Samstag um 4.00 Uhr, als der Wecker in die Dunkelheit piepste und meldete, dass es Zeit war, die Tür zur Welt zu öffnen.

-Eine interessante Beobachtung am ersten Tag war, dass ich ständig die Augen schloss, wenn ich über etwas nachdachte. So wie zu Hause, wenn man die Augen schließen muss, um sich von äußeren Störungen abzugrenzen. Zum Beispiel von den Bildern an der Wand. Es dauerte eine Weile, bis das Gehirn begriff, dass es nicht nötig ist, die Augen zu schließen.

-Überrascht hat mich, wie sehr ich in der Dunkelheit die räumliche Orientierung verloren habe. Ich dachte zum Beispiel, ich hätte mich um 180 Grad gedreht. Aber es stellte sich heraus, dass ich die Drehung ein kleines bisschen nicht zu Ende gebracht hatte, und plötzlich kam ein wenig Panik auf, als ich nach zwei Schritten nicht dort war, wo ich es erwartet hatte.

Das Essen war hervorragend, und mir ist es nach vielen Jahren passiert, dass ich kein Hungergefühl hatte. Ja, ich kenne mich. Deshalb war ich ausgerüstet. Ich hatte ein paar Packungen Käsescheiben dabei, ein paar Kekse, salzige Käsewaffeln. Die ganze Woche habe ich überhaupt nicht an sie gedacht. Kein Hunger, auch keine Lust auf irgendetwas anderes als das, was ich bekam. Den ganzen Proviant habe ich wieder mit nach Hause genommen.

Wenn mich Freunde fragten, was ich im Heiligtum die ganze Zeit gemacht habe, antworte ich, dass ich ein Puzzle zusammengesetzt habe. Ich würde das als Gleichnis verwenden. Eine große Schachtel voller Teile. Und auf dem Deckel kein Bild. Natürlich hatte ich im Leben schon ein Stück dieses Bildes zusammengesetzt. Aber in der Dunkelheit zeigte sich, dass manche Teile falsch waren. Ich hatte etwas zusammengefügt, das nicht richtig passte, und plötzlich sah ich, dass es woandershin gehört. Das „Bild“ dehnte sich außerdem in alle Richtungen aus, obwohl ich gedacht hatte, die Ränder seien vorgegeben. Manchmal konnte ich gar nicht glauben, was da auftauchte. Aber plötzlich verstand ich eine Menge Dinge, die mir passiert waren. Und ich begann, mich auf weitere Teile zu freuen. Als würde ich sie in die Hand nehmen und staunend betrachten.

Ein Problem hatte ich mit der Konzentration. Die Gedanken liefen mehrmals in alle Richtungen davon. Ich habe sie mit Hilfe von Steinen und griechischen Perlen eingefangen. Sobald ich sie in die Hand nahm und meine Finger anfingen, damit zu spielen, kamen die Gedanken zurück. Sie „setzten sich“ in einen Kreis und blieben. Dann fügte sich alles zusammen.

Am Freitag bekam ich mit dem Essen auch eine Anweisung für den Morgen. Einen Wecker, von dem mir gesagt wurde, dass er auf vier Uhr gestellt ist. Ich hatte Angst, ihn anzufassen, damit ich das Klingeln nicht ausschalte. Man sah weder Zeiger noch andere Markierungen. Vorsichtig stellte ich ihn auf den Boden und versuchte, nicht an ihn zu denken.

Ich habe mich auf das Öffnen der Tür gefreut

020

Und dann fing es plötzlich an zu piepsen. Ich setzte mich auf das Bett und ließ die Beine auf den Boden. Ich schaute in die Dunkelheit und wartete auf den Moment, in dem ich die Tür öffnen wollte. Ich freute mich darauf. Ich wusste, dass Vollmond war, also würde es nicht ganz dunkel sein. Trotzdem ging ich vorher noch im Dunkeln duschen. Erst dann öffnete ich die innere und danach auch die äußere Tür. Ich atmete die angenehme Luft ein.

Ich ging hinaus und fühlte mich, als wäre ich betrunken. Als Erster begrüßte mich der Hund. Ein herrliches Gefühl, die Finger in das dichte Fell zu graben.Draußen war auch schon der „Kollege“ aus dem benachbarten Heiligtum. Wir tauschten unsere Eindrücke aus. Dieses Gefühl des Rausches hatten wir beide. Langsam ging ich umher und hielt mich an den Bäumen fest. Dann saß ich eine Weile einfach draußen, und als ich mir sicher war, machte ich mich auf den Weg der Sonne entgegen. Der Sonnenaufgang ist auf der anderen Seite von Lomec als das Blockhaus. Also ging ich hinauf und auf einem Feldweg immer weiter Richtung Osten. Bis ich ans Ende eines Maisfeldes kam, dort setzte ich mich auf einen Baumstumpf und schaute auf die Wolken, die von der langsam herannahenden Sonne beleuchtet wurden. Ich begrüßte die Sonne, und sie begrüßte mich.

Danke für das Dunkelretreat

Jetzt bleibt mir nur noch, Tomáš und Lenka noch einmal in Demut zu danken für die Chance, die sie mir gegeben haben, für die Aufnahme, für das Essen. Für den Einklang und das Verständnis. Für alles, was ich erleben und fühlen durfte. Für das, was ich durch das Dunkelretreat gewonnen habe, und auch für das, was ich losgeworden bin.

Ich möchte auch dem Westlichen Heiligtum danken. Dafür, dass es seine weichen, warmen, nach Holz duftenden Arme geöffnet und mir erlaubt hat, mich darin einzukuscheln.

Nie vergessen werde ich auch den „Begrüßungshund“. Seinen freundlichen Empfang, die gereichte Pfote, den Blick seiner Augen.008007

Ich wünsche allen, die zu euch kommen, dass sie sich so großartig fühlen wie ich. Nicht nur während des Aufenthalts, sondern auch nach der Abreise.

DANKE

Týna

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