Oft fragen wir uns, was im Kopf eines Menschen vorgeht, der beschließt, sich für ein paar Tage komplett von der Außenwelt abzukoppeln. Deshalb teilen wir mit dir den ganz persönlichen Blick einer unserer Teilnehmerinnen, die von ihren Gefühlen aus der Zeit erzählt, in der sie die tägliche Hektik gegen völlige Stille und Ruhe eingetauscht hat. Vielleicht trägst auch du eine ähnliche Sehnsucht nach Innehalten in dir und suchst Antworten auf Fragen, die im alltäglichen Trubel untergehen. Lies ihre Geschichte darüber, wie ihr Dunkelretreat verlaufen ist, was ihr diese Erfahrung gegeben hat und warum es am Ende nichts zu fürchten gab.
Ein lang aufgeschobener Wunsch unter dem Weihnachtsbaum
Dass es diese Methode gibt, wusste ich schon seit ein paar Jahren. Es kam mir immer vor wie etwas, das ich unbedingt brauche. Ich wollte mich einfach irgendwo einschließen, ganz allein sein, ohne Menschen und ohne jegliche Ablenkung. Ich habe oft davon gesprochen, bis ich die Dunkeltherapie schließlich von meinem Mann zu Weihnachten geschenkt bekam. Mein Umfeld weiß inzwischen so ungefähr, dass ich meditiere, deshalb fanden sie es nicht ganz so seltsam. Eher haben mich die Leute gefragt, ob ich das dort überhaupt aushalte. Manche haben mir geraten, verschiedene Sachen zum Zeitvertreib mitzunehmen, aber ich habe ihnen gesagt, dass ich nicht hingehe, um mich zu unterhalten, sondern einfach in die Dunkelheit.
Wenn die Angst einem samtenen Nichts weicht
Vor dem Beginn hatte ich eine gewisse innere Angst. Ich hatte mich vorher über keine Details informiert, was es kostet oder wo genau es stattfindet, ich wusste einfach, dass es das gibt. Ich hatte keine Websites gelesen und war mir nicht sicher, was mich dort anspringen könnte. Aber sobald ich mich eingeschlossen hatte, waren alle Bedenken vorbei. Im Gegenteil, die Dunkelheit fühlte sich für mich an wie eine einzige große Umarmung. Es war unglaublich angenehm und sicher. Die Vorstellungen eines Menschen im Halbdunkel sind nämlich viel wilder als in völliger Dunkelheit. Hier ist es einfach so ein samtenes Nichts. Die Hütte kam mir in der pechschwarzen Dunkelheit sogar viel größer vor als bei Licht.
Wie Zen schmeckt und Essen mit dem Löffel
Alles ließ sich ganz entspannt bewältigen. Nachdem ich ein paarmal durch den Raum gegangen war, hatte ich ihn ausgemessen und wusste dann ziemlich genau, was zu tun ist. Ich bin sehr vorsichtig gegangen und habe mir mit der Hand den Kopf geschützt, um mich nirgends zu stoßen. Manchmal habe ich die Tür zum Vorraum offen gelassen, damit Luft hereinkommt, deshalb habe ich mich lieber mit dem Tastsinn abgesichert. Auch das Essen war kein Problem, weil ich alles mit dem Löffel gegessen habe. Interessant war, meinen Appetit zu beobachten. Am ersten Abend habe ich aus Langeweile eine Menge gegessen, auch die eigenen Sachen, die ich mitgebracht hatte. Nach und nach hat mich das aber völlig verlassen. Es kam so ein Zen, in dem ich nicht einmal mehr die ganzen Portionen aufessen musste und es mir reichte, nur halb satt zu sein.
Viel Schlaf und die Weisheit der Vier Versprechen
Die meiste Zeit habe ich entweder geschlafen oder meditiert. Weil mir das im Sitzen nicht so gut gelingt, habe ich hauptsächlich im Liegen meditiert. Deshalb war ich gegen Ende zwar etwas steif und musste mich zu Übungen zwingen, aber innerlich ging es mir großartig. Ich hatte zwar einen Player dabei, habe aber überhaupt nicht verstanden, wie man darauf die Titel überspringt. Also bin ich bei den Vier Versprechen geblieben, die ich zwar kenne, die aber in dieser Abgeschiedenheit viel stärker in mir nachgeklungen haben als je zuvor. Eigentlich war ich am Ende froh darüber, ich habe wirklich viel daraus mitgenommen.
Mut als Weg zur inneren Ruhe
Drei Tage haben mir völlig gereicht, aber ich hätte mir gut vorstellen können, auch länger zu bleiben. Wenn du darüber nachdenkst, sei mutig und versuch, die Angst, die du hast, einfach zu überwinden. Leute, die irgendwo nicht waren, reden furchtbar gern über Dinge, die sie nicht erlebt haben. Sie erzählen dir vielleicht, dass du dort irgendwelchen Dämonen begegnen wirst, aber glaub das nicht. Niemand steht dort mit einer Kalaschnikow vor der Tür. Im schlimmsten Fall kannst du jederzeit aus der Hütte herauskommen, es steht nichts auf dem Spiel. Wenn du also über ein Dunkelretreat nachdenkst, dann mach es einfach.
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