Sieben Tage in der Dunkelheit – und das zum allerersten Mal im Leben. Diesmal teilen wir mit dir die Erfahrung einer Frau, die nicht ins Dunkelretreat gegangen ist, um der Welt zu entfliehen, sondern um weiterzukommen. Auf die ersten Wahrnehmungen und die innere Stille musste sie fast vier Tage warten, sie verlor sich im Raum und war oft wütend auf die Dunkelheit. Was haben ihr diese sieben Tage gegeben und warum nimmt sie aus der Dunkelheit vor allem Dankbarkeit und Demut mit?
Ich bin dankbar, dass ich sehen kann
Jetzt geht es mir wunderbar, richtig gut. Ich bin dankbar, dass ich sehen kann. Und hier ist so viel Grün, da gibt es einiges zu schauen.
Ich habe mich sehr darauf gefreut, und zwar die ganze Zeit. Die ganzen sieben Tage waren ziemlich endlos. Aber ich bin froh, dass ich durchgehalten habe und zu bestimmten Erkenntnissen gekommen bin. Und ich nehme an, dass noch einiges auftauchen wird, was ich mir jetzt noch nicht bewusst machen kann.
Ein Dunkelretreat gleich für sieben Tage
Ich war eine Woche dort, und es war meine erste Erfahrung mit der Dunkelheit. Nur für drei Nächte hinzugehen, das habe ich gar nicht in Erwägung gezogen. Ich hatte gelesen und gehört, dass man die ersten zwei Nächte meistens vor allem verschläft. Also dachte ich mir, dass es vielleicht nicht die Tiefe hätte wie sieben Tage. Wenn schon, dann eben die sieben, damit ich mehr zu mir selbst finde.
Es dauerte unendlich lange
Zu mir selbst habe ich gefunden, aber es dauerte unendlich lange. Ich war seit Samstag am frühen Abend hier, und die ersten Wahrnehmungen, die Stille und die Erkenntnisse begannen erst am Mittwoch gegen Abend. Dreidreiviertel Tage.
Nach und nach begann sich der Raum für mich zu verwandeln, in der Dunkelheit habe ich ihn ganz anders gesehen. Und an diesem Mittwoch war ich wohl beides, still und feinfühliger.
Dunkeltherapie: Ich wollte eher weiterkommen
Dass nur in die Dunkelheit geht, wer die Welt nicht mag, glaube ich nicht. Mich hat die Dunkelheit gereizt. Vor einem halben Jahr habe ich den Job gewechselt, und vor diesem Wechsel hat es mich noch viel mehr gereizt, weil ich in dem Job nicht zufrieden war. Jetzt bin ich zufrieden, und trotzdem dachte ich, dass mich die Dunkelheit bestimmt zu einer inneren Veränderung führt. Es war nicht so, dass mich das Leben nicht gefreut hätte. Ich wollte eher weiterkommen.
Entschieden habe ich mich eigentlich schon vor einem halben Jahr. Damals musste ich aus dieser Unzufriedenheit heraus die Richtung ändern, und deshalb wollte ich in die Dunkelheit. Aber ich habe gerade einen neuen Job angefangen, bei dem ich nicht sofort wegfahren konnte, also habe ich mir gesagt: Sobald es geht, gehe ich. Und dann habe ich mich selbst davon überzeugt, dass mir die Dunkelheit bestimmt etwas zu bieten und in verschiedenen Lebensbereichen etwas zu zeigen hat.
Morgendämmerung, Tee und eine Hummel auf der Veranda
Die Morgendämmerung war schön, aber erwartet. Ich hatte mich wahnsinnig darauf gefreut, und dann war es gar nicht so ein Wow. Ich bin durch den wunderbaren Garten gegangen, und erst nach der Dusche, als ich mir einen Tee gekocht, mich damit in Ruhe auf die Bank auf der Veranda gesetzt, in die Baumkronen geschaut und den Vögeln ringsum zugehört habe, war es einfach wunderschön. Dazu summte noch eine Hummel.
Auch im Heiligtum waren die Geräusche leise zu hören, an den Vögeln habe ich mich zum Beispiel orientiert, ob schon Tag ist. Aber wenn du es in voller Lautstärke hörst, ist das etwas ganz anderes.
Mehr Klarheit kommt erst im Leben
Über den Job musste ich diesmal nicht entscheiden, den hatte ich ja schon gewechselt. Ich würde nicht sagen, dass ich jetzt klarer sehe. Ich glaube, das wird erst im normalen Alltag kommen. Ich hoffe, dass ich bei meinen Entscheidungen mehr Klarheit haben werde.
Ich habe mich im Raum verloren
Praktisch war es für mich ziemlich nervig. Du suchst alles. Am liebsten lag ich im Bett, weil das so eine Sicherheit war. Ich musste an meine Tochter denken, die eine große Chaotin ist – sogar sie müsste dort Ordnung halten. Sonst findest du dich einfach nicht zurecht, du verlierst die Orientierung. Ich hatte keine Lust, aus dem Bett zu steigen, also wenn schon, dann gleich wegen mehrerer Dinge auf einmal.
Es ging, aber ich habe mich sogar auf der Stelle verloren, in diesem Raum. Ich dachte, ich hätte mich um 180 Grad gedreht, und es war nicht so. Als ich mich zurückdrehte, waren die Dinge nicht dort, wo sie sein sollten. Es war anstrengend, und oft war ich richtig sauer auf die Dunkelheit, dass sie so undurchdringlich ist. Warum kann es nicht wenigstens ein leichtes Zwielicht sein, damit man wenigstens Umrisse sieht? Wenn ich zum Beispiel aufs Klo ging, wusste ich, dass dort am Boden eine Leiste ist, also gehört der rechte Fuß auf die Leiste.
Dankbarkeit und Demut
Aus dem Dunkelretreat nehme ich in den Alltag auf jeden Fall diese Dankbarkeit mit. Dankbarkeit und Demut. Dass wir es wirklich nicht zu schätzen wissen, dass wir sehen können, dass wir leben können, dass wir hören können.
Wir haben für dich die häufigsten Fragen zusammengestellt, die sich unsere Gäste stellen, bevor sie sich für die Dunkeltherapie entscheiden.
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