Seit mehr als zwanzig Jahren arbeite ich als Coach und Mentor, aber das Dunkelretreat war für mich eine Reise in etwas, das ich in meiner bisherigen Praxis noch nicht erlebt hatte. Zu der Entscheidung hat mich eigentlich einer meiner Klienten gebracht. Als ich ihn nach seinem Aufenthalt traf, sah ich in seinen Augen eine völlig andere Energie. Er wirkte auf mich wie ein Mensch, der in sich eine tiefe innere Ruhe gefunden hatte und sich viel besser auf die Arbeit und seine täglichen Prioritäten konzentrieren konnte. Ich beschloss, diese Erfahrung am eigenen Leib zu machen, und habe mit der dreitägigen Variante angefangen.
Digital Detox und die Begegnung mit dem eigenen Geist
Meine drei Tage in absoluter Isolation waren der größte Digital Detox, den man sich in unserer schnelllebigen Zeit vorstellen kann. Man legt das Handy weg, schaltet den Computer aus und begegnet plötzlich ganz unverstellt sich selbst, seinen inneren Stimmen und dem eigenen Geist. Erst in einer solchen Stille merkt man, wie viele Gedanken einem normalerweise durch den Kopf gehen. Das größte Paradox dieser Erfahrung ist die absolute Freiheit. Kein Richter und kein Aufseher schaut einem zu, man ist nur sich selbst gegenüber verantwortlich. Im Dunkeln hat es keinen Sinn, sich selbst zu belügen, denn es ist niemand da, den man täuschen könnte. Gerade die Wahrheit über sich selbst anzunehmen ist der notwendige Anfang jeder echten Veränderung.
Rückkehr in die „Arme der Liebe“ und Dankbarkeit
Als ich nach drei Nächten in die Morgendämmerung hinausging, gerade als der Mond unterging, überkam mich eine riesige Dankbarkeit und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Der heraufziehende Tag war wie eine Rückkehr in die Arme einer allgegenwärtigen Liebe. Es war ein unglaublich starker Moment. Diesen inneren Zustand von Harmonie und Klarheit spüre ich auch noch längere Zeit danach, obwohl ich längst wieder im gewohnten Arbeitsalltag stecke.
Ich überlege, in Zukunft eine ganze Woche im Dunkeln zu verbringen
Diese Erfahrung hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen und meinen Blick auf die innere Hygiene des Geistes verändert. Wenn ich mich in Zukunft für eine Woche im Dunkeln entscheide, dann mit großem Respekt und Demut. Es geht mir nicht darum, mir etwas zu beweisen, sondern ich möchte noch tiefer zum Kern meines Seins gehen. Für einen solchen Schritt muss man aber innerlich reif und bereit sein – alles hat seine richtige Zeit.
Libor


