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Monika – Ich wünschte, ich könnte euch dieses Gefühl weitergeben

Dunkelretreat – BerührungLiebe Lenka, lieber Tomáš!

Ich habe beschlossen, Euch meine Erlebnisse von meinem Dunkelretreat bei Euch aufzuschreiben. Ich schreibe gleich am Abend, nachdem ich nach Hause gekommen bin. Einerseits solange alle Eindrücke noch frisch sind, und andererseits werden auch ein paar meiner Freunde und meine Familie jedes Detail wissen wollen – also schicke ich ihnen diesen Brief weiter und beantworte danach nur noch ihre Fragen.

Vom Dunkelretreat weiß ich schon lange

Ich fange ganz von vorne an. Von der Dunkeltherapie weiß ich schon seit einer ganzen Weile. Ich habe im Internet gelesen, was ich finden konnte, mein Liebling Jarda Dušek hat das auch durchgemacht und war unglaublich begeistert. Es wurde gut darüber geschrieben, es wurde gelobt, aber auch mit leichter Herablassung. Ehrlich gesagt habe ich versucht, es mir vorzustellen. Ich habe versucht, mir vorzustellen, was es mir bringen sollte, aber die Angst hat überwogen. Eine Woche ist eine lange Zeit. Eine ganze Woche……Tag und Nacht…. . im Dunkeln……nur Ich und Ich……. wir zwei und pechschwarze Dunkelheit und Stille! Keine Nachrichten von draußen, kein Fernseher, kein Radio, kein Handy, kein Internet, keine Menschen, keine Ablenkung……keine Störung. Nein, ich habe nicht einmal die kleinste Überzeugung gespürt, dass das etwas für mich ist, etwas, das ich schaffen würde. Also habe ich es beiseitegeschoben und reifen lassen.

Dann, nach ziemlich langer Zeit, bin ich zum Gedanken an ein Dunkelretreat zurückgekehrt. Das Leben ist ein unglaublich witziger und erfinderischer Meister des Spiels. Früher oder später schubst es dich sowieso genau dorthin, wo du sein musst, um weiterzukommen, nach oben, wie man heute sagt, aufs nächste Level.

Ich habe das Internet durchsucht und viele Angebote für Dunkelretreats unter die Lupe genommen. Ich hatte keine Ahnung, dass es so viele gibt! Nach langem Suchen habe ich mich genau für Euch entschieden. Aus vielen Gründen. Alles, was ich wissen musste, stand auf Eurer Website, alles war beschrieben, sogar was man anziehen soll, was für eine Frau eine sehr wichtige Information ist, auch im Dunkeln gut aussehen…. . nur ein Scherz. Vor allem hat mich die Gegend um Kutná Hora angesprochen, die entgegenkommende Art, die Lage versprach laut Karte wirklich Ruhe, und ich habe auch die Berichte von Leuten gelesen, die schon ein Dunkelretreat hinter sich hatten. Ob sie positiv waren oder nicht – mir hat gefallen, dass Ihr dort ausnahmslos alles veröffentlicht. Ich habe einfach gespürt, dass das der richtige Ort ist.

Ein Dunkelretreat zu reservieren sollte ein Kinderspiel sein

Also, hurra, einen Termin reservieren. Das wird ein Kinderspiel, so viele Leute werden sich da schon nicht anmelden. Wie groß war aber meine Überraschung, als ich feststellte, dass Euer erster freier Termin erst in einem halben Jahr war?! Na ja, was soll man machen, wahrscheinlich soll es so sein. Also habe ich mich angemeldet, bezahlt und gewartet. Ich habe versucht, mich irgendwie auf diese Prüfung vorzubereiten, nach meinen eigenen Vorstellungen. Damit will ich Euch nicht belasten. Ich kann nur sagen, dass man sich darauf nicht wirklich vorbereiten kann, wenn man diese Erfahrung noch nicht hat, denn man weiß überhaupt, aber wirklich überhaupt nicht, was einen erwartet, was kommt und wie das Ganze aussehen wird.

Und plötzlich war der Tag da. Ich muss sagen, dass ich am Samstag am frühen Abend mit großem Respekt bei Euch angekommen bin, nicht mit Angst, sondern mit Respekt. Ich konnte mir überhaupt nicht, aber nicht im Geringsten vorstellen, worauf ich mich einlasse und was mich erwartet. Ich wollte nur, dass sich endlich die Tür hinter mir schließt und es losgeht – und Ich und Ich würden sofort abhauen und nach Hause rennen. Schande hin oder her, Hauptsache, sie kriegen uns nicht! Nicht einmal ein Spaziergang durch Kutná Hora hat meinen großen Respekt irgendwie zerstreut. Ich bin als Allererste bei Euch angekommen, genau um sechs Uhr abends. Aber ich war in so einer Trance, dass ich mich danach überhaupt nicht erinnern konnte, wie Euer Haus aussieht, der Garten, wie wir zur Hütte-Heiligtum gegangen sind (der Ausdruck gefällt mir). Ein bisschen erleichtert war ich, als ich die Anweisungen bekam, was wie ablaufen wird, und dass Ihr jeden Tag da seid, falls ich reden müsste, etwas besprechen wollte, und dass ich jederzeit zur Tür hinausgehen, gehen kann……das Licht ist nur ausgeschaltet, wenn es also ganz schlimm würde, kann ich es anmachen. Ich bin ja aus freiem Willen dort und niemand zwingt mich.

Zum Glück hatte ich ein Dunkelretreat ohne Gespenster, ohne Geister und ohne Wanzen und ohne Kleiderbügel 😀 (jetzt kann ich darüber schon Witze machen…. )

…und die Hand auf den Schalter……. Klick………Dunkelheit!

Als Ihr gegangen seid und mir eine gute Nacht gewünscht habt, habt Ihr gesagt, wenn ich bereit bin, soll ich das Licht ausmachen, und das Abenteuer kann beginnen. Ich habe das Gelände gründlich erkundet, damit ich weiß, was ich wo finde, die Abstände. Beruhigt hat mich, dass ich Bettwäsche mit den Ninja Turtles hatte, die werden mir Kraft geben, ich muss vor nichts Angst haben! Dann Dusche, Zähne putzen, meine Sachen so verteilen, dass ich sie im Dunkeln finde, Kontrolle………und die Hand auf den Schalter……. Klick………Dunkelheit!

Aber das war wirklich eine pechschwarze, undurchdringliche Dunkelheit! Na, Mädel, jetzt zeig mal, was du kannst!

Nirgendwo, nicht einmal durch einen Spalt, drang auch nur das winzigste Fünkchen Licht. Sogar der Hintern hat sich mir vor Beklemmung zusammengezogen bei der Vorstellung, dass ich hier eine ganze Woche mit Mir, der Stille und der Dunkelheit sein werde. Ich habe mich aufs Bett gelegt, dorthin geschaut, wo die Decke sein sollte, und gewartet, was passiert.

Ich muss sagen, dass mich die Dunkelheit zu meiner angenehmen Überraschung nicht erschreckt hat, wie ich befürchtet hatte. Ich habe keine Angst gespürt. Sie war so schwarz, dass da kein Platz für Schatten und Ängste übrig blieb. Zumindest habe ich es so empfunden. Und das die ganze Zeit. Nur die Hütte hat sich für mich auf verschiedene Weise vergrößert und ihre Form verändert. Das Waschbecken und die Toilette hat jemand umgestellt, die Wände verschoben. Einmal, zweimal treffe ich ganz problemlos in die Dusche, und beim dritten Mal ist da eine Wand. Die Dunkelheit war so schwarz, dass ich meine Hand nicht gesehen habe, nicht einmal, wenn ich sie direkt vor dem Gesicht hatte.

Ich habe herrlich ausgeschlafen

Von Samstag bis Dienstagnachmittag, glaube ich (nur daran gemessen, dass Lenka mir das Essen gebracht hat, eigentlich weiß ich nicht, wie spät es war), habe ich am Stück geschlafen. Die ganze Zeit! Ich habe herrlich ausgeschlafen!! Aber danach bin ich, obwohl im Dunkeln, nicht mehr einfach so eingeschlafen. Und jetzt fing es an, richtig spannend zu werden. Ich habe über alles Mögliche nachgegrübelt, in die Finsternis gestarrt, wahrscheinlich stundenlang, und mir gesagt, dass das eine verrückte Idee war, dass ich das nicht aushalten kann…. . ja, gut, drei Tage, aber ich soll ja noch den ganzen Mittwoch, Donnerstag, Freitag hier sein und erst am Samstagmorgen……

Überraschenderweise hatte ich keine Angst vor der Finsternis, ich habe mich auch nicht einsam gefühlt……keine Hysterie. Aber plötzlich kommen Dinge an die Oberfläche, die irgendwo tief in dir versteckt sind und von denen du gar nichts mehr weißt. Sie sind nicht furchterregend, nur sehr unangenehm in ihrer Dringlichkeit und Hartnäckigkeit. Sie haben eine Gelegenheit gewittert…. . „Achtung, Zeit zum Aufräumen, heute kann sie uns nicht in die Ecke drängen, unter den Teppich kehren…. die liebe Monika hat überhaupt, aber auch gar keine Ablenkung!“

Na, und so habe ich geputzt und geputzt und geputzt…. .

„Mädel, du schaffst das! Überleb den Mittwoch, und dann läuft’s!“

Ich war unendlich dankbar, dass ich ein Retreat mit Essen einmal am Tag hatte, und noch dazu zu unterschiedlichen Zeiten. Wenigstens für einen Moment wurden meine aufdringlichen Gedanken und mein Grübeln vom lauten Magenknurren übertönt und auch vom Klopfen an der Hütte, das ankündigte, dass Lenka oder Tomáš mit irgendeinem suuuuuuuuuper Essen kommt, mit Obst und vor allem, wirklich, mit einem warmen menschlichen Wort! Hier passt dieses Klischee, denn dafür war ich unendlich dankbar! Das ist eines der Dinge, die mir geholfen haben, durchzuhalten und nicht aufzugeben. Und solche Gedanken hatte ich, oh ja! Ich habe mir gesagt…. . „Mädel, du schaffst das! Überleb den Mittwoch, und dann läuft’s!“ Ganz so stimmte das nicht, aber du gibst doch nicht auf, wenn du schon so weit gekommen bist!!!

Und so wurde weiter geputzt und geputzt……. . meine Sehnsucht nach Licht, frischer Luft, Sonne, dem Rascheln der Blätter, Wind auf den Wangen war so groß, dass ich am Donnerstag und Freitag hier und da das Gefühl hatte, die Dunkelheit sei gar nicht mehr so pechschwarz, ich hätte eine Stirnlampe, zwar mit einer sehr schwachen Batterie, aber sie leuchtet doch noch. Mir kam es vor, als sähe ich die Umrisse der Dinge, aber wenn ich genauer hinschauen wollte, hat sie mir jemand absichtlich ausgeschaltet. Das hat sich ein paarmal wiederholt. Ein lustiges Spiel!

Für diese Morgendämmerung am Samstag hat es sich gelohnt!

Wenn sonst nichts, aber ich sage, wenn…. . dann hat sich das ganze Dunkelretreat für diesen einen einzigen, kurzen und flüchtigen Moment gelohnt…. . nämlich die Morgendämmerung am Samstag.

Schon am Freitagabend, als mir Tomáš das letzte Abendessen brachte (es war das Mittagessen, aber für mich das Abendessen), hatte ich so eine riesige Freude!!!! Er brachte auch einen Wecker, der auf halb sechs morgens gestellt war. Kurz bevor es zu dämmern beginnt. Allerdings verging dieser Tag und diese Nacht nicht so schnell, wie ich dachte. Im Gegenteil. Und er hat mir nichts geschenkt. Räum das in deinem Kopf nur schön auf, oder wo auch immer…. .

Schließlich bin ich für eine Weile eingeschlafen, aber vor lauter Ungeduld bin ich aufgestanden, bevor der Wecker klingelte. Ich habe mich auf die Welt mehr gefreut als ein Neugeborenes. Ich hätte vor Freude glatt geschrien, als der Wecker klingelte, aber dann hätte ich den ganzen Zauber kaputtgemacht.

Tomáš hat gesagt, dass mir schwindlig werden wird, wenn ich die Tür öffne, und dass ich mich auf die Schwelle setzen soll, bis es ein bisschen nachlässt. Ich muss sagen, dass es mich ganz schön hin und her geworfen hat, wie nach drei Bier, bis zum Nachmittag.

Ein Dunkelretreat muss man erleben

Aber dieser wunderbare Moment, wenn du nach einer Woche in tiefer Dunkelheit die Tür der Hütte öffnest und da scheinen der Mond und die Sterne, der Himmel ist klar, du siehst Bäume, Sträucher, die Natur getaucht in Mondlicht……das war wie eine Belohnung……etwas Wunderschönes…. . und ich stand nur da und spürte so eine riesengroße Dankbarkeit…. . das kann man mit Worten nicht einmal beschreiben. Das muss man erleben!

Und dann begann der Horizont hell zu werden…. . der Hahn krähte…. . und die Sonne ging auf!

Ich bin durch den Garten gelaufen (danke dafür, Tomáš, Lenka), habe über den Zaun auf die Felder geschaut, wie die Welt erwacht, und es war nicht nur so, als ob, sondern wirklich zum ersten Mal anders. Eine gewaltige Ruhe und ein tiefer Frieden, alles so scharf und klar…. grasende Rehe in Sichtweite, in der Ferne ein röhrender Hirsch in der Brunft, die Vögel überboten sich gegenseitig im Gesang…. .

Ich wünschte, ich könnte es euch weitergeben

Ich wünschte, ich hätte so eine wunderbare Fähigkeit wie Abe Sapien in Hellboy, dass eine bloße Berührung der Handflächen genügen würde und ich euch meine inneren Bilder weitergeben könnte, ohne dass zu viele überflüssige Worte das Ganze verderben. Vielleicht eines Tages……

Ich bin gut zu Hause angekommen, auch wenn die Welt immer noch geschaukelt hat.

Die ganze Welt war schärfer und heller. Und um mich ein bisschen zu erden, ich meine dieses Schaukeln, bin ich im Park und im nahen Tal spazieren gegangen. Ich habe immer noch so eine unglaubliche Dankbarkeit und Ruhe gespürt!!!!!

Kurz und gut: Das Dunkelretreat in Lomec hat mich ordentlich durchgerüttelt, und ich danke Lenka und Tomáš von Herzen für all die Liebe und Fürsorge, mit der sie sich die ganze Zeit um uns gekümmert haben. Herzlichen Dank, und ich wünsche Euch nur glückliche Tage!!!

Es gibt noch mehr, aber viele Erlebnisse und Erkenntnisse sind einfach nicht übertragbar, nicht weiterzugeben. Danke für jede einzelne. Ich hoffe, dass ich mir diese unermessliche Ruhe in der Seele, in mir, noch sehr, sehr lange, wenn nicht für immer bewahre!

Und tiefe Dankbarkeit für alles, was in mein Leben kommt!

Monika

Helena – mit beiden Füßen voran ins Dunkelretreat

Hallo Tomáš (Lenka habe ich nicht getroffen, deshalb entschuldige ich mich),

vielleicht ist jetzt die Zeit für eine Rückschau gekommen – es scheint, dass sich die Erlebnisse und Eindrücke vom Dunkelretreat schon gesetzt haben… Also, wie war es bei mir…

Ins Dunkelretreat mit beiden Füßen voran

In vielen Beiträgen lese ich, wie lange sich die Interessierten zu dem Aufenthalt durchringen mussten und wie lange im Voraus sie ihn geplant haben… Bei mir war das anders. Zugegeben – von der Dunkeltherapie hatte ich vor langer Zeit schon mal etwas gehört, aber es hat mich überhaupt nicht interessiert, und ich hatte diese Information komplett verdrängt…

Dann kam eines Tages ein Klient zu mir in die Behandlung, der während der Therapie erwähnte, dass er ein Dunkelretreat gemacht hatte. Seine Schilderung der Erlebnisse in der Dunkelheit erinnerte mich stark an Jack Londons Buch „Die Zwangsjacke“ (im Tschechischen „Der Sternenwanderer“), das ich früher geliebt habe. Während seiner Erzählung kamen mir auch meine eigenen Erlebnisse mit einer teilweise spontanen Regression in den Sinn, bei einem meiner Versuche, die hartnäckigen Kopfschmerzen loszuwerden, die mich schon seit meiner Kindheit plagen…

 Und so kam die Neugier 🙂

 Ich setzte mich an den Computer und tippte Suchbegriffe wie Dunkeltherapie, Dunkelretreat usw. ein…. Einer der gefundenen Links führte mich auf eure Seiten. Sie gefielen mir, also schrieb ich euch. Und sofort bekam ich das Angebot, einen Termin im neu gebauten Heiligtum zu reservieren. Den ersten musste ich ablehnen (er überschnitt sich mit meinem Auslandsaufenthalt), aber gleich der zweite klappte – etwa 2 Monate nach der Anmeldung. Der Impuls kam einfach genau zu der Zeit, als für mich schon alles bereit war, also gab es nichts zu überlegen… 

Ich besorgte mir noch ein Buch über Dunkeltherapie, zahlte die Reservierungsgebühr und begann, meine Familie auf „eine weitere meiner seltsamen Eskapaden“ vorzubereiten 

Ein Ziel für das Dunkelretreat hatte ich nicht

Ein klares Ziel habe ich mir nicht gesetzt. Ich sagte mir zwar, dass es schön wäre, ein bisschen tiefer in die Meditation einzutauchen (ohne den Hund, der einem zwischen den Füßen herumwuselt, und ohne Anrufe therapiehungriger Klienten oder von Omas und Kindern), und einen kleinen Ausflug in meine Vergangenheit, die Aufarbeitung von Kindheitstraumata, das Auflösen alter Blockaden, die im Unterbewusstsein verankert sind, usw. hätte ich auch nicht abgelehnt, aber im Grunde war ich eher einfach neugierig, was das mit mir macht und ob ich es aushalte. Große Angst hatte ich aber nicht… Wenn es nicht geht, fahre ich eben etwas früher ab, na und…

Dann häuften sich die Probleme – der Hund wurde krank, das Auto ging kaputt, es kam eine unfassbar hohe Rechnung für die Wassernachzahlung (ein fehlerhafter gemeinsamer Wasserzähler im Haus), die Omas, der Garten, die Kinder… Ein Problem nach dem anderen… Bis es fast so aussah, als würde ich einfach nicht fahren. 

Außerdem tauchte ein ausgesprochen negativer Beitrag über das Dunkelretreat auf – nur wirkte er auf mich ein bisschen so, als hätte der Herr Autor das Dunkelretreat als eine Art Wettkampf mit sich selbst aufgefasst. Irgendwie passte mir das nicht…also nahm ich es nur als weitere Info…

Ich ließ mich nicht unterkriegen. Ich ließ das Auto reparieren (damit die Kinder den Hund notfalls zum Tierarzt bringen können), das Geld kam am Ende auch irgendwie zusammen, und ich fuhr los. Alle Klienten hatte ich auf meine Abwesenheit hingewiesen, vergaß aber, eine Ansage auf den Anrufbeantworter zu sprechen, und den Kindern habe ich sogar vergessen, für den Notfall Tomášs Telefonnummer zu geben. Ich habe ihnen nur eine eiserne Bargeldreserve hingelegt (die sich am Ende tatsächlich als nützlich erwies) und bin von der Welt verschwunden.

Das Dunkelretreat war eigentlich ein Sabbat

Ich kam an – etwas spät, sodass ich keine der anderen Anwärterinnen auf den Aufenthalt traf (wir waren 4 Weiber :), ich lernte die wunderschönen hauseigenen Reitbegleithunde kennen (Tomáš, bitte kraul sie für mich hinter den Ohren), Tomáš führte mich in die nach Neuem duftende Hütte, zeigte mir, wo was ist, und erklärte, wie es mit Essen und Trinken laufen wird… Er fragte auch, ob ich essen werde oder mir den Aufenthalt mit Fasten würze. Das Fasten reizte mich zwar auch, aber weil ich mich schon eine ganze Weile kenne, erklärte ich Tom, dass ich essen werde, denn wenn ich nicht esse, tut mir die ersten 3 Tage der Kopf weh, und dabei „kotze ich wie ein Reiher“, was mich schon normalerweise nicht besonders reizt, geschweige denn in der Dunkelheit…

Ich legte mir alles so zurecht, dass ich wusste, wo was ist, wiederholte mir die Plätze, probierte das Ertasten mit geschlossenen Augen aus… na und dann machte ich nur noch das Licht aus … und es war dunkel…

Der erste Abend war problemlos. Ich futterte Obst (außer Kirschen – an die habe ich mich im Dunkeln nicht herangetraut, denn bei Lebensmitteln mag ich keine gebrauchte Ware, und Obst esse ich lieber ohne Eiweiß) und turnte fleißig. Mit der Meditation klappte es nicht so richtig. Mir ging alles Mögliche durch den Kopf – vor allem die Nachbarn, mit denen wir seit etwa 8 Jahren unglaubliche Probleme haben…, aber auch die Kinder, der Hund, meine Mama und ihre Lebensregeln für mich…  

Irgendwann am zweiten Tag brachte Tomáš Essen – eine Portion wie für einen Bergmann. Es war sehr gut, also aß ich es nach und nach… 

Und dann kam die „Migräne“! Pfui Teufel. Am schlimmsten war es, beim Erbrechen die Schüssel zu treffen 🙂 . Na ja, aber bald gab es sowieso nichts mehr zu erbrechen… Ich dachte mir – na, Gott steh mir bei. Das wird ein schön durchgekotztes Dunkelretreat. 

Zum Glück beschloss mein Köpfchen diesmal, nur etwa einen halben Tag wehzutun. Die zweite Mahlzeit hat mir Tom zwar trotzdem dagelassen, aber als Brechmittel reichte schon ein bloßes Schnuppern, also nichts. 

Na und wenn mein Körperchen sich das schon so eingerichtet hatte, warum ihm nicht entgegenkommen – ich habe mir zum Dunkelretreat auch noch das Fasten dazugenommen 🙂

Irgendwann am Montag fiel mir ein, wie es wohl unserem Hundchen geht, und mich überkam die Sorge um sein Wohl… dann schloss ich das für mich damit ab, dass unsere tüchtigen Kinder das sicher irgendwie hinbekommen (im Nachhinein habe ich erfahren, dass ich gerade in dem Moment an ihn gedacht habe, als er sich einen apportierten Stock in den Hals gerammt hatte). Danach habe ich mich nur noch schrecklich gelangweilt. Tomáš sagte mir, das sei gut. Ich dachte mir meinen Teil und turnte wenigstens intensiv, turnte und turnte, um mich irgendwie zu beschäftigen. 

Ich hatte fast schon wieder eine Brücke aus dem Stand und ähnlichen Blödsinn wie in jungen Jahren geschafft, als mein Körperchen befand, dass ich das Turnen als Flucht vor dem benutze, was ich eigentlich tun soll (mich langweilen :D). Und es hat mir einen Riegel vorgeschoben – ich hatte mir den Rücken blockiert (genauer gesagt eher das ISG, aber das Ergebnis war dasselbe). 

Und wieder fragte ich mich, ob ich nicht aufgeben sollte. Aber dann wurde mir klar, dass ich es in diesem Zustand sowieso nicht bis nach Prag schaffen würde, also widmete ich mich zur Abwechslung 🙂 einem durch und durch rehabilitativen Training und versuchte einfach zu überleben…

In der Mitte hatte ich jede Menge lebhafte Träume

Das Ende des 5. Tages näherte sich, und außer der Migräne und dem blockierten Rücken passierte eigentlich nichts. Ich hatte zwar jede Menge seltsamer, lebhafter Träume, in denen ich viele kleine schwarze Kinder in einer typisch afrikanischen Landschaft sah, ab und zu huschte jemand aus der Familie, von den Freunden oder Feinden vorbei, aber sonst nichts Ungewöhnliches. Bewegen konnte ich mich nicht viel, das Liegen tat auch weh, also döste ich hier und da vor mich hin und wartete, bis Tomáš mir eine volle Thermoskanne Tee brachte. An den Geräuschen, die durch die Wand zu mir drangen, erkannte ich so ungefähr, ob gerade Tag oder Nacht war, aber sonst nichts und wieder nichts…

Komisch fand ich, dass ich mich dabei ertappte, wie ich, obwohl es dunkel war, ständig mit geschlossenen Augen herumlief…

Dann bin ich einmal irgendwie eingeschlafen und plötzlich weckte mich Licht. Grelles, intensives Licht, das durch die Wand des Häuschens drang. So intensiv, dass es mich weckte und man sich nicht davor verstecken konnte. So ein Licht, wie man es in Filmen über UFO-Entführungen sieht :D. 

Dunkelretreat und Licht

Das Erste, was mir einfiel, war: „Welcher Idiot leuchtet mir hier so blöd mit dem Scheinwerfer rein?“ Dann wurde mir klar, dass draußen Grabesstille herrscht und nicht einmal die Hunde bellen… Also sagte ich mir, das muss Tomáš sein, und versuchte, ihm aus der Ferne einzuflüstern, er solle mit dem Blödsinn aufhören, das Licht ausmachen und mich in Ruhe lassen… Dann fiel mir ein, dass die Wand ja aus Platten und nicht aus Brettern ist und dass da angeblich auch noch eine Dämmschicht drin ist, sodass da kaum etwas durchscheinen kann… 

Inzwischen zog sich das Licht schön in die untere Ecke zurück und wurde gaaanz langsam immer matter und verschwand. Als es wieder dunkel war, wurde mir klar, dass ich nicht einmal versucht hatte, auf meine Hände zu schauen. 

Dann sagte ich mir – aha, Licht gibt es nicht, die Netzhaut spinnt… Essen gibt es nicht, das Gehirn langweilt sich, also denkt es sich Blödsinn aus… 

Und ich beschloss auch, dass ich, falls das Licht geruhen sollte zurückzukommen, versuchen würde nachzuprüfen, ob ich die Hand sehe, und es genießen würde… Dann kroch ich (sicherheitshalber) durch alle Ecken der Hütte (soweit mein Rücken es erlaubte) und ging wieder schlafen. 

Irgendwann am nächsten Tag kam das Licht tatsächlich zurück. Diesmal war ich gerade im Vorraum und putzte mir die Zähne. Also vergewisserte ich mich, dass ich meine Finger nicht sehe und sie keinen Schatten werfen, putzte mir in Ruhe „bei Licht“ die Zähne, ging auf die Toilette und legte mich, zufrieden mit meinen Erlebnissen, wieder schlafen… 🙂

Danach kam nichts besonders Ungewöhnliches mehr.

Ich habe bis zum Ende durchgehalten (wie übrigens wir alle). Nachdem das Licht anging, drehte sich mir auch ziemlich die Birne, und es dauerte etwa 2 Stündchen, bis ich mich traute, mich ans Steuer zu setzen. Bis in den frühen Nachmittag war ich mir dort noch nicht so ganz sicher…

Mein erstes Fazit war – die Dunkelheit brauche ich nicht noch einmal… Heute sehe ich das nicht mehr so radikal – vielleicht probiere ich es irgendwann in Zukunft noch einmal aus… Und eigentlich freue ich mich schon ein bisschen darauf… 😉 

Ergebnisse der Dunkeltherapie? 

Am Anfang kam es mir so vor, als hätte sich eigentlich nichts verändert. 

Dann merkte ich, dass Probleme irgendwie nicht mehr an mir haften bleiben. Nicht, dass ich mich nicht aufregen oder erschrecken würde… Das nicht. Aber die Emotion kommt, geht, und ich wühle nicht in ihr herum… Das ist etwas, was ich nie konnte… Zwar hat sich das nach und nach wieder ein bisschen dem „Normalzustand“ angenähert, aber die Veränderung ist immer noch da…

Außerdem vergesse ich unwichtige Dinge und mache mir irgendwie nichts daraus…

Ich verstehe auch die Probleme meiner Patienten viel besser – ich verstehe erblindete und immobile Menschen… Aber das Mitgefühl mit ihnen verschlingt mich nicht. Ich akzeptiere die Realität und verstehe – das ist alles…

Na, und das ist wohl das ganze Fazit eines ziemlich langen, geschwätzigen Beitrags 🙂

Halt, doch nicht – noch etwas zu der erwähnten negativen Rückmeldung. 

Der Herr hat wohl wirklich zu sehr mit  sich selbst gekämpft und außerdem das Dunkelretreat nach etwa 3 Tagen abgebrochen. Nach meiner Erfahrung ist das die Zeit, in der sich die negativen Erlebnisse steigern. Die ersten 3–4 Tage sind einfach die schlimmsten. Das Angenehmere kommt später – deshalb ist es besser durchzuhalten und sich hinzugeben. Sich einfach nicht so sehr anzustrengen… 🙂

Aber ich habe  nur 1 Erfahrung, und das ist so gut wie nichts. 

Macht’s gut, und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann wieder

Tschüss – Helena

Tereza – mit der Dunkelheit kam eine wohlige Wärme

Vor etwa zwei Jahren habe ich im Internet einen Artikel gelesen, in dem ein Dunkelretreat erwähnt wurde. Damals dachte ich mir, dass das ein interessanter Prozess sein muss, bei dem man so manches in sich ordnet und sich ein bisschen reinigt, aber dann habe ich diesen Gedanken ganz losgelassen.

Es verging einige Zeit, und um mich herum und mit mir geschahen einige, für mich ziemlich wichtige, Veränderungen. Und plötzlich tauchten um mich herum immer häufiger Erwähnungen des Dunkelretreats auf. Das Gefühl, dass ich diesen Prozess durchlaufen sollte, wurde von Tag zu Tag stärker.

Bis eines Tages meine Entscheidung reif war und ich mich angemeldet habe.

Ich habe mich zum Dunkelretreat angemeldet

Ich spürte, dass ich, um den Prozess zu schaffen, völlig offen sein muss für alle Emotionen, die in der Dunkelheit aus mir herauskommen. Sicherheitshalber habe ich mich mental dem ganzen Universum geöffnet und gehofft, dass es mir hilft.

Nach der Ankunft am Ort des Aufenthalts lernte ich kurz die sehr angenehmen Gastgeber kennen, Lenka und Tomáš. Wir haben uns kurz unterhalten. Ich erfuhr, dass ich alles, was ich für den Aufenthalt brauche, in der Hütte zur Verfügung habe und  dass das Essen einmal am Tag zwischen 13 und 15 Uhr gebracht wird. Wir vereinbarten, dass sie nicht mit mir sprechen würden und dass ich mich, falls ich etwas brauche, selbst melde. Wir verabschiedeten uns, und ich verkroch mich ins Häuschen.

Zur Verfügung hatte ich ein Zimmer von etwa 2×2 Metern mit bezogenem Bett, eine Isomatte und ein Meditationskissen zum Sitzen sowie einen kleinen Flur mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Die Klimaanlage konnte ich selbst bedienen.

Ich richtete mich ein ( es war so zwischen 19 und 20 Uhr), duschte, kam zur Ruhe, fasste mir ein Herz und machte das Licht aus.

Nach dem Ausschalten des Lichts …

Die Dunkelheit umarmte mich, und auf meiner Brust  ließ sich sofort eine eigenartige, wohlige Wärme nieder. Mit Freude wurde mir bewusst, dass ich keine Angst hatte. Ich hoffte, dass es so bleiben würde.

Schon in der ersten Nacht merkte ich, dass ich ein riesiges Bedürfnis hatte, mich in der Zeit zu orientieren. Aber wie? Ins Häuschen drangen fast keine Geräusche. Mir wurde klar, dass wahrscheinlich die einzige sichere Zeit die Zeit sein würde, zu der das Essen gebracht wird. Ich beschloss also, bei jeder Mahlzeit einen Kern der Nektarinen, die ich mir von zu Hause mitgebracht hatte, in ein Beutelchen zu legen. Das erwies sich später als gute Idee, denn die Orientierung nach Nacht- und Tageszeit stellte sich als fast unmöglich heraus. Außerdem merkte ich gleich in der zweiten Nacht, dass man in dem erweiterten Bewusstseinszustand, der bei mir im Dunkelretreat bald eintrat, kaum schlafen kann.

Gleich am ersten Tag fing mein Geist an, auf Hochtouren zu arbeiten. Mir gingen Gedanken an vergangene und künftige Ereignisse durch den Kopf, an Menschen, mit denen mich verschiedene Ereignisse verbanden. Ängste und verschiedene andere Gefühle stellten sich ein. Ich wehrte mich nicht dagegen ( wie ich es mir vorgenommen hatte ),  ich atmete sie gründlich durch, und nach einer Weile lösten sie sich immer auf. Mein Geist ging jedoch immer weiter und weiter zu denen, die in Verliesen, Zellen und Hungertürmen eingesperrt sind oder waren. Da wusste ich schon, dass ich solche Gedanken  loswerden muss. Ich versuchte, in den Zustand „Hier und Jetzt“ zu kommen. Wenn es mir gelang, verschwanden die unangenehmen  Gefühle  und Bilder,  und da war wieder dieses wohlige Gefühl auf der Brust. Ich merkte, dass, sobald mein Geist vom gegenwärtigen Augenblick abweicht, verschiedene, meist unangenehme Gefühle und Ängste kommen.

Ich hatte das Gefühl, dass ich nachts immer nur kurz schlafe, und wusste nie, wie lange. Die Nächte waren endlos lang. Ich wachte etwa zehnmal pro Nacht auf. Wenn ich träumte, waren die Träume beklemmend und unangenehm. Ich schwitzte sehr. Ich versuchte herauszufinden, wann Morgen oder wenigstens Tag ist. Aber wie? Das Einzige, was ich hörte, war das Krähen eines Hahns, der Überflug von Kampfjets und ab und zu das Geräusch eines Automotors.

Ich versuchte, mich nach diesen Signalen zu richten, aber da ahnte ich noch nicht, was für einen bösen Streich mir mein Geist spielen würde. Es war genau in der Mitte der Woche,  als das erweiterte Bewusstsein schon voll da war und  ich feststellte,  dass sich die Dunkelheit zu großen Dimensionen ausweiten und verschiedene interessante Bilder erzeugen kann, vor allem von der Form des Raumes, in dem ich mich aufhielt. Mal sah ich eine große Halle, mal eine kurze Gasse mit einem Türmchen, mal ein indisch geschmücktes Zimmer. Manchmal waren die Räume wie von gedämpftem Mondlicht erhellt. Das beruhigte mich ziemlich.  Es war interessant, die Bilder zu betrachten, und dann kamen keine Ängste von den sonst unangenehm aufdringlichen Gedanken. Um die Ängste zu begrenzen, achtete ich auch sorgfältig darauf, alles an seinen genauen Platz zu legen, und versuchte, alle Handgriffe langsam und konzentriert zu machen. Das beruhigte mich.

Der Mittwoch hat mir das Dunkelretreat ganz schön durcheinandergebracht

Schild „Don't panic“ mit ComicfigurUnd dann kam dieser Mittwoch. Ich hatte schon gelernt, dass Tag das Krähen des Hahns, das gelegentliche Geräusch eines Motors  und den Lärm der Kampfjets bedeutet. Wie immer freute ich mich sehr auf das Essen, denn es war immer sehr lecker, ich genoss es auf fast rituelle Weise, und außerdem  bedeutete es für mich, dass ich wieder einen Tag geschafft hatte. Dann habe ich  wie immer nur geduscht, die Zähne geputzt, für die gute Laune gesungen,  ein paar Übungen gemacht, mich schlafen gelegt und gebetet, dass der Schlaf ohne Albträume bleibt. Ich schlief ganz gut ein, und der Schlaf kam mir ziemlich lang vor. Ich wache auf, horche auf die Geräusche von draußen, versuche mich zu orientieren. Und da höre ich den Hahn krähen! Und kurz darauf ziemlich deutlich eine menschliche Stimme und nach einer Weile auch einen Kampfjet! Hurra, es ist Donnerstagmorgen! Die Nacht ist ja schön schnell vergangen. Jetzt nur noch auf das Essen warten, und ich kann wieder einen Tag mit einem Kern im Beutelchen abhaken!  Ich duschte,  machte meine Übungen, frühstückte und machte mich an das regelmäßige tägliche Zähmen meines Geistes. Aber was ist das? Heute bringen sie das Essen irgendwie lange nicht. Eine Weile wartete ich noch, dann tastete ich mich zur Eingangstür und horche auf Geräusche, die mir signalisieren würden, dass das Essen naht. Aber draußen war totale Stille. Kein Laut. Stille.

Und  plötzlich  wurde  mir klar, welchem Irrtum ich aufgesessen war. Ich war nur kurz eingeschlafen und bin also immer noch im selben Tag! Ich weiß überhaupt nicht, wie spät es ist, die ganze unangenehme Nacht liegt noch vor mir, mit dem Aufwachen in einen ungewissen Morgen und mit dem langen Warten auf das Essen! Ich hatte alle Mühe, diese Erkenntnis wegzuatmen. Aber wie kann es sein, dass ich den Hahn krähen gehört habe?

Den ganzen nächsten Tag konzentrierte ich mich auf das Krähen des Hahns und stellte fest, dass der Bursche ganz gemütlich den ganzen Tag kräht und nicht nur morgens, wie ich mein ganzes Leben lang gedacht hatte. Ach je.

Am Donnerstag freute ich mich schon, dass ich in meinem Prozess über die Hälfte hinaus war, aber auch die zwei Tage waren kein Zuckerschlecken. Aber ich hatte mich schon daran gewöhnt. Ich musste meinen Geist immer zur Disziplin rufen, und dann ging es einigermaßen.

Auf die letzte Nacht habe ich mich regelrecht gefreut. Mit  dem Essen bekam ich einen Wecker, der auf vier Uhr morgens gestellt war, mit dem Hinweis, dass ich den Sonnenaufgang genießen und dann fahren kann, denn  Lenka und Tomáš stehen erst gegen acht auf. Ich verabschiedete mich von Lenka, die beim Bringen der letzten Mahlzeit zu mir in die Dunkelheit kam  und mir die letzten Anweisungen gab. Ich ging früh schlafen und betete, dass der Schlaf kommt.

Die letzte Nacht in der Dunkelheit war endlos lang

Aber wie es so ist: Was wir uns am meisten wünschen, kommt nicht. Die Nacht war endlos lang. Ich hatte das Gefühl, in der Gewalt meines Geistes zu sein und dass es nur von ihm abhängt, wann er entscheidet, dass Morgen ist. Aber schließlich war es doch so weit, und der Wecker klingelte. Dieses unangenehm piepsende Geräusch klang für mich wie himmlische Musik! Ich ließ ihn piepsen, bis er erschöpft war, und war glücklich,  dass ich das Dunkelretreat nicht abgebrochen habe, obwohl ich es im Laufe der Woche oft wollte.

Das erste Öffnen  der Tür aus der Dunkelheit, eigentlich noch in die Dunkelheit, war herrlich! Mir stieg der wunderbare Duft der Natur in die Nase, und  der großartige Sonnenaufgang ließ nicht lange auf sich warten. Es dauerte etwa zwei Stunden, bis ich mir sicher war, dass ich mich ins Auto setzen und sicher losfahren kann.

Die Heimfahrt war voller Freude. Ich habe zwar einen unangenehmen Prozess durchlaufen (bei mir wechselten sich wohl alle Emotionen ab), aber ich spüre, dass er sinnvoll war.

Ich bin Tomáš und Lenka sehr dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit der Reinigung gegeben haben und dass sie diese Therapie allen Menschen anbieten, die sich dafür interessieren.

In Liebe, Tereza

Honza – das Dunkelretreat war unglaublich inspirierend

Hallo Tomáš und Lenka,

eigentlich wollte ich mich schon früher von selbst bei euch melden – mit einem Dank dafür, dass ich die Dunkelheit erleben durfte, und für die perfekte und angenehme Betreuung während meines Aufenthalts im Heiligtum … 

Ich versuche zusammenzufassen, was die Erfahrung Dunkelretreat für mich ist. Wenn ihr darin etwas auch nur ein bisschen Nützliches findet, verwendet es ruhig auf der Website für andere.

Zum Dunkelretreat haben mich Bücher über Tibet gebracht

Von der Praxis, sich freiwillig und gezielt in der Dunkelheit aufzuhalten, habe ich einst  in Büchern über Tibet, Nepal und Yoga gelesen, dass es so etwas auch bei uns gibt, aber erst in der Sendung Duše K erfahren, in die Jaroslav Dušek als Gast  Roman Mlejnek eingeladen hatte – einen Höhlenforscher, der tatsächlich lange Aufenthalte in der Dunkelheit von Karsthöhlen hinter sich hat. Das kam mir dann doch etwas zu hart vor. Später habe ich im Netz Angebote für Dunkelretreats unter menschlicheren Bedingungen durchgeblättert und bin dabei auf eures gestoßen. Es war mir sympathisch, also haben wir uns angemeldet, zusammen mit Evina.

In der Dunkelheit kam, was ich so nicht ganz erwartet hatte, und das Retreat lief nicht wirklich so ab, wie ich es mir vorgestellt hatte. Gegen Vorstellungen kann man sich wohl nie ganz wehren, aber im Abgleich mit der Wirklichkeit erweisen sie sich meist als bloße Gedankenübung. Als keine besonders nützliche 🙂

Über die Krisen in der Dunkelheit hat mir Yoga hinweggeholfen

Nützlich war dagegen meine Erfahrung mit Yoga (sei es Pranayama oder Asanas), mit Qigong (am meisten der Gelbe Mönch – braucht wenig Platz und ist nicht so anspruchsvoll für das Gleichgewicht, das im Dunkeln zu schaffen macht; bei den Acht Brokaten bin ich mit den Händen an die Decke gestoßen) und mit Meditations- und Konzentrationsübungen; das hat geholfen, die Krisen zu überwinden, von denen es ein paar gab.

Manche Teilnehmende sagen, dass sie den ersten oder die ersten zwei Tage verschlafen haben – ich habe normal geschlafen, also eher wenig. Mit jedem weiteren Tag wurde der Schlaf kürzer und unruhiger. Gegen Ende habe ich fast gar nicht mehr geschlafen. Erst in der letzten Nacht hätte ich beinahe den Wecker verschlafen.

Essen gab es genug, und es hat mir geschmeckt. Überrascht hat mich, wie sehr ich mit den Augen esse, denn in der Dunkelheit fiel es mir nicht schwer zu merken, dass ich genug hatte, obwohl im Gefäß noch etwas übrig war. Und ich konnte etwas stehen lassen. Zumindest nicht sofort aufessen.

Das Gefühl der Dunkelheit – zum Beispiel nehme ich sie nicht als schwarz wahr.

Weil ich nichts mit den Augen kontrollieren konnte, habe ich mich erst in der zweiten Hälfte der Dunkeltherapie wirklich entspannen können. Sonst war ich die ganze Zeit in einer Art leichter Panik, in leichtem Stress. Was andererseits wohl die Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks geschärft und vertieft hat. Und das war manchmal ganz schön heftig.

Es war ein Unterschied, ob ich die Augen geschlossen oder offen hatte – mit offenen Augen waren die inneren Bilder schwächer, weniger farbig und karg strukturiert. Mit geschlossenen dagegen gab es eine Fülle von Farben, wunderschön durchleuchtete fraktale Formationen, Modelle von Welten … Mit jedem weiteren Tag wurden die Unterschiede aber kleiner, die Farben verblassten, dafür wurden die Formen feiner ausgearbeitet und es kamen immer mehr Details hinzu.

Manchmal habe ich erlebt, wie sich Tastreize in visuelle verwandelten. Beim Duschen zum Beispiel lief statt Wasser wunderschönes goldgrünes Licht an mir herunter; kaltes Wasser ging mehr ins Blaue, warmes mehr ins Grüne. Aber auch das passierte nur in den ersten zwei Tagen und hörte dann auf.

Der Raum hat sich während des Dunkelretreats für mich verwandelt

… Wenn ich lag, verwandelte sich der Raum um mich fließend von einer gotischen Kapelle in einen hinduistischen Tempel, dann war ich wieder in einer Blockhütte und gleich darauf in einer Höhle … aber immer „sah“ ich auf der linken Seite, dass die Wand dicht mit sehr sattgrünen, ungewöhnlich geformten Blättern bewachsen war. Genauso bewachsen war die Wand vor mir, auf der rechten Seite. Als  ich nach einer Woche hinausging, stellte ich fest, dass an den Stellen, an denen die Wände in der Vision bewachsen waren, tatsächlich Bäume wachsen – ich glaube, ein Apfelbaum und ein Birnbaum. Und jetzt weiß ich nicht, ob ich mich irgendwie mental-energetisch mit ihrer Existenz verbunden habe, oder ob ich sie unterschwellig schon vor dem Betreten der Hütte wahrgenommen und dann, wie andere Inhalte des Unbewussten, unwillkürlich visualisiert und in das Bild hineingesetzt habe. Die erste Möglichkeit würde mir besser gefallen.

 Es gab sehr viele verschiedene Visionen – neben solchen, die Euphorie auslösten, auch solche, in denen sich wohl die dunklen Seiten meiner Persönlichkeit zeigten, die ich verdränge, unbewusst, weil ich nichts von ihnen weiß. Sie ließen mich Momente reinen Grauens und Entsetzens erleben, gegen deren rohe Brutalität Atemübungen und irgendwelche Versuche, die Situation zu rationalisieren, praktisch nichts ausrichteten. Solche Momente zu durchleben, hat allerdings zur Selbstannahme geführt. 

Gezeichnete Glühbirne, Symbol für eine Idee

Eines der Dinge (und wahrscheinlich das Wesentlichste) war am Ende das Erleben der eigenen Sterblichkeit, das immer noch anhält und mir den Luxus schenkt, den gegenwärtigen Augenblick fast ständig wahrzunehmen. Dadurch freue ich mich öfter an Dingen und Situationen, die vorher unbemerkt vorbeigingen und untergingen. Was schade war. Der Tag kommt mir jetzt länger vor, so wie Kindern.

Das Dunkelretreat hat mir die Möglichkeit gegeben, mir selbst zu begegnen, vielleicht ein kleines bisschen etwas zu verstehen, die Gelegenheit, Zeit einmal ganz allein für mich zu nutzen, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen – einfach trotz aller Einschränkungen ein Stück Freiheit zu erleben. Also, mit ein wenig Pathos: in der Finsternis nach dem Licht Ausschau zu halten.

Ich wollte gleich schreiben, als ihr euch gemeldet habt, aber teils wegen der vielen Arbeit und teils, weil ich mir manche Emotionen und Gefühle rund um die Dunkelheit erst selbst klarmachen und versuchen musste, sie in konkretere Formen zu bringen – in Worte –, hat es länger gedauert. 

Wie ich schon beim Abschied gesagt habe: Das Dunkelretreat war unglaublich inspirierend.

Ganz herzliche Grüße und alles Gute

Honza

Maru – ich bin dankbar und schwebe irgendwie in Raum und Zeit

Also, lieber Tom und liebe Lenka,

ist seit dem Dunkelretreat wirklich schon ein Monat vergangen? Das hat mich ziemlich schockiert, aber da jeder Tag so vollgepackt ist, wundert es mich eigentlich auch nicht ..

Ein paar Monate habe ich mit dem Gedanken an ein Dunkelretreat gespielt

Meine Geschichte ist ganz prosaisch: Ich hatte das Gefühl, dass ich in die Dunkelheit gehen soll, ein paar Monate habe ich damit gespielt und dann angefangen zu suchen, wohin. Eure Website kam mir am herzlichsten vor und irgendwie ohne unnötigen Glanz und Ballast, also habe ich mich bei euch gemeldet. Ich war sehr froh, dass ich erst einen Termin in einem halben Jahr bekam, denn ich wusste, dass noch etwas passieren muss, damit ich das Dunkelretreat genießen kann … es ist eine Menge passiert, und ich wurde stärker und stärker, bis ich spürte, dass ich mich zu freuen beginne und neugierig auf mich selbst werde. Die Ängste, die vor einem halben Jahr da waren, waren verschwunden, vieles hatte sich schon allein durch die Entscheidung gelöst, mich selbst anzuschauen – so bin ich – und, wenn es gelingt, vielleicht klarer zu sehen, was ich in den nächsten Jahren mit meinem Leben machen möchte.

Straße, die am Horizont im Licht verschwindetZum Dunkelretreat bin ich zu Fuß gegangen

Die Ankunft war wunderbar, ich kam (zu Fuß) mit einem schweren Rucksack und völlig verschwitzt, also war meine einzige Sorge: Dusche, Essen und Licht aus. Tomáš hat mir erklärt, was wie läuft, alles schien mir leicht verständlich (und so war es auch in Wirklichkeit), also habe ich geduscht, gegessen und gleich das Licht ausgemacht. Ich wartete, was passieren würde, nichts kam, nur das Gefühl, dass ich mich mit dem Raum vertraut machen und herausfinden sollte, ob ich mir nicht vielleicht selbst irgendeine Angst bastle, wenn sich schon keine zeigt, haha, na, also bin ich unters Bett gekrochen, an den Wänden entlanggegangen, zur Toilette gegangen, und nirgends was … also sage ich mir, ich lege mich hin und schlafe … und wieder nichts … keine Spur von Müdigkeit, ich mit weit offenen Augen, ab und zu habe ich ein bisschen geturnt, meditiert  und versucht zu schätzen, wie spät es ist …. ich hatte nämlich schon wieder Hunger, haha .. Am zweiten Tag hat mir Tomáš Essen gebracht, ich habe versucht, es nicht auf einmal aufzuessen, und dann habe ich wieder nur gelegen und vor mich hin gedöst … es kamen seltsame Träume … aus manchen bin ich erschrocken aufgewacht, aber dann wurde mir klar, dass ich mich mit dieser Angst nicht befassen muss, und mir ging es gut … aus einem Traum bin ich weinend aufgewacht und habe die Menschen um Vergebung gebeten, bei denen ich das so empfand … es war wunderbar !!! Ich habe so richtig laut geweint, laut mit mir selbst geredet … niemand hat mich gesehen, niemand gehört, und ich habe mich auch um niemanden gekümmert, nur dieses Gefühl der Vergebung … sonst ist nicht viel passiert, nur das Gefühl, dass man nichts tun muss, sich nicht einmal bewegen … das Gefühl eines leeren Raum-Zeit-Gefüges, in dem ich irgendwie schwebe 🙂

Nach meiner Rückkehr bekam ich eine Augenentzündung, die mir sehr geholfen hat, weitere vierzehn Tage schön nicht nach außen, sondern nach innen zu schauen … jeden Tag danke ich für alles, was mir gegeben ist, und bin dankbar, dass ich innehalten konnte, genau zur richtigen Zeit, und dass es nahtlos an mein ganzes bisheriges geistiges wie körperliches Leben angeknüpft hat.

Freunde, wenn es bei euch anklopft, habt keine Angst: Wenn ihr die Entscheidung trefft, dann löst sich das meiste von selbst, bevor ihr in der Dunkelheit an der Reihe seid 🙂

Ein schönes Leben wünscht euch allen Maru 🙂

Milena – das Dunkelretreat hat mir eine Schatztruhe geöffnet

Hallo Tomáš und Lenka,

ja, es ist schon einen Monat her, und bisher habe ich nur auf Facebook darüber geschrieben…

Ein Dunkelretreat für eine nicht mehr ganz Junge

Ich gehöre schon zu den Älteren, und weil ich noch nie richtig im Urlaub war, habe ich mir das hier zum 64. Geburtstag ausgedacht. Vielleicht hatte ich mir etwas mehr davon erwartet, aber danke auch für das, was passiert ist. Nach dem Ausschalten des Lichts habe ich mich ausgeruht, und das war schön. Ich habe aufs Essen gewartet und es mir einfach gut gehen lassen. Ich wollte nicht einmal wissen, was in den Töpfchen ist, ich wollte selbst darauf kommen. Überrascht hat mich, wie angenehm, freundlich und umarmend die Dunkelheit ist! Am dritten Tag habe ich mich schon gelangweilt und angefangen, mir irgendeine Beschäftigung auszudenken. Ich nahm ein leeres Töpfchen, und schon war daraus eine kleine Trommel für schamanische Gesänge geworden. So etwas hatte ich noch nie ausprobiert, und es hat mich überrascht, wie es aus mir herauskam – es war einfach da, als wäre ich wirklich ein indianischer Schamane. ☺Dann kam mir die Idee, Engelsgesänge auszuprobieren – na, und auch das war da! Mein Stimmumfang war mein ganzes Leben lang mit Mühe und Not auf eine Oktave beschränkt, und hier in der Dunkelheit konnte ich außer meinen eigenen Kreationen zum Beispiel sogar „Niňo bambino karo“ singen☺Früher hatte ich manchmal Träume, in denen ich über der Erde fliege und solche Engelstöne singe….

Und natürlich habe ich gewartet, ob irgendwelche Dämonen kommen, die mich früher in meinen Träumen erschreckt haben. Sie kamen nicht. Ich glaube, mit denen habe ich vor vielen Jahren in einem luziden Traum abgerechnet. „Ein schrecklicher Dämon raste den Hügel hinunter auf mich zu, mit der Absicht, mich zu töten, zu zerfetzen, auf die schlimmste Art zu vernichten, und ich tat, was ich immer tue, wenn ich einen Albtraum habe: Ich zwang mich aufzuwachen. Sobald mir das gelungen war und ich ‚aufgewacht‘ war, wurde mir klar: Nein, das ist falsch, so macht man das nicht! Und ich zwang mich, in den Traum zurückzukehren, zurück in diese Situation – stellte mich dem Dämon in den Weg und wich keinen Millimeter zurück. Ich schaute ihm in die Augen und fragte: ‚Wer bist du und was willst du von mir?‘ Und der liebe Dämon begann sich in ein harmloses menschliches Gesicht zu verwandeln und löste sich auf wie Dampf. Also – ein für alle Mal habe ich das mit den Schreckgespenstern geklärt☺
Am letzten Tag kam mir die Dunkelheit sehr hell vor, und ich hatte die Vision von einem großen schwarzen Berg, umgeben von weißen Wolken, oder es hätte auch wie eine Klippe aussehen können, umgeben von weißem Meeresschaum. . . . . und auch irgendwelche geometrischen Bilder und Fraktale huschen durchs Blickfeld. Das Einzige, was ich in wunderschönen Chromfarben gesehen habe, waren seltsamerweise aufgestapelte Holzklötze, die sich bis in die Ferne zogen. . . sie wichen allerdings aus, wenn ich mich auf sie konzentrierte, glitten irgendwohin zur Seite, und es tauchten neue auf. ☺Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich sie schon seit ein paar Jahren im Kopf habe, als Baumaterial für mein Häuschen im Garten.

Illustration einer Schatztruhe unter Wasser

Wenn ich es also zusammenfasse, kann ich sagen, dass mir die Dunkelheit eine Schatztruhe geöffnet hat, von der ich keine Ahnung hatte. (Die Gesänge.)
Ich muss aber diejenigen warnen, die älter sind und vielleicht Probleme mit der Wirbelsäule haben, sodass sie sich nicht viel bewegen können – es könnte ihnen so gehen wie mir. Nach einer Woche Liegen erschlaffen die Muskeln, und als ich in Kutná Hora dem Zug hinterherrannte, merkte ich, dass mir mein Körper von der Taille abwärts nicht gehorcht, ungefähr wie nach einer Lumbalpunktion – ich kam mir wie gelähmt vor.

Also, wer kann – bewegt euch! Nach ein paar Tagen war ich wieder in Ordnung, und jetzt schleppe ich schon Bäume aus dem Wald für unser Häuschen.

Zum Schluss möchte ich Tomáš danken, der die ganze Woche allein war und uns das Essen aus dem Restaurant brachte – es war gut –, und am meisten danke ich für das Kissen: Er brachte mir sein eigenes, weil das, das dort war, mir fast das Genick gebrochen hat. . . . ☺☺♥

Karel – Chaos, Leere und Negativität

Rosa abstrakte Explosion auf schwarzem HintergrundDas Dunkelretreat habe ich für mich gleich nach seinem Ende als sehr wohltuend und nützlich bewertet.

Neben einer hervorragenden Verbesserung der kognitiven Funktionen (Gedächtnis, Konzentration, Vorstellungskraft, …) habe ich auch viel mehr Ruhe im Alltag und eine deutliche Belebung der Sinne bemerkt.

Das Dunkelretreat wirkte noch mehrere Tage nach

Einige interessante Erkenntnisse darüber, wie menschliches Denken und Wahrnehmen funktionieren, sind mir erst mit einigen Tagen Abstand bewusst geworden, anhand konkreter Situationen aus dem Alltag. Ich glaube, dass die Erfahrung von Chaos, Irrationalität, Leere und Negativität für den Menschen ungemein wichtig ist – und genau das waren die Dinge, die ich in der Dunkelheit gesucht habe.

So wie in der Musik die Stille zwischen den einzelnen Tönen genauso wichtig ist wie die Töne selbst, sind auch sensorische Deprivation und ein vorübergehender Rückzug aus der Welt für das gesunde Funktionieren der menschlichen Psyche äußerst notwendig und wünschenswert.

Das Dunkelretreat für eine tiefere Meditation

In der Dunkelheit habe ich viel tiefere und intensivere meditative Zustände erreicht als sonst, und ich konnte auch viel besser beobachten, wie sich unser Geist buchstäblich in den Gegenstand hineinsaugt, auf den er sich konzentriert, wie sich die Gedanken in bestimmten Rhythmen und Mustern bewegen, welche Eigenschaften sie haben….

Die Woche in der Dunkelheit hat mir eine vollkommene körperliche und mentale Entspannung geschenkt, deshalb würde ich sie jedem empfehlen. Während der ganzen Zeit habe ich keine einzige emotionale Schwankung und kein Unbehagen erlebt. Wären sie aufgetreten, wäre das für mich trotzdem kein Einwand gegen ein Dunkelretreat, denn auch eine unangenehme Erfahrung kann sich auf lange Sicht als wertvoll erweisen.

Karel

Tomáš – eine Gelegenheit, sich von der Sünde abzuwenden

Schönen Tag, Tomáš und Lenka,
danke euch dafür, wie ihr euch um mich gekümmert habt 🙂

Seit dem Ende meines Aufenthalts sind schon zwei Monate vergangen. Ich hatte also genug Zeit zum Nachdenken und um die Erlebnisse sacken zu lassen. Meine Erfahrung mit dem Dunkelretreat ist wahrscheinlich, wie bei den anderen auch, ziemlich anders und eigen. Also dann…

Ich habe meiner Familie vom Dunkelretreat erzählt

Vor etwa acht Monaten habe ich mich nach einem Jahr entschieden, mir einen Traum zu erfüllen und für eine Woche in ein Dunkelretreat zu gehen. Als ich zu Hause erzählt habe, dass ich wirklich einen Termin reserviert habe, waren alle sehr überrascht, bis dahin hatte ich nur davon geredet. Von ihnen und auch von mir selbst kamen Fragen und verschiedene Vorstellungen, wie ich dort essen werde, wie ich duschen werde, dass ich dort nicht lesen kann :).

Im folgenden halben Jahr haben mich ein paar Leute gefragt, was ich dort so lange machen werde. Ich habe geantwortet, dass ich nachdenken, die Ruhe und die Zeit genießen werde. Manchmal haben sie mich gefragt, was das für einen Sinn hat. Ich wusste es nicht so genau, ich wusste nur, dass es etwas Außergewöhnliches sein wird, das man nicht einfach so erlebt. Je näher der Termin rückte, desto mehr Fragen kamen, ob ich mich darauf freue und ob ich nicht nervös bin. Das habe ich nicht so recht verstanden, weil ich nicht darüber nachgedacht habe, ich habe es einfach laufen lassen, damit ich nicht enttäuscht werde. Während ich auf den Termin für das Dunkelretreat gewartet habe, hat sich mein Leben aber ziemlich verändert. Drei Monate vor dem Beginn habe ich Umstände erlebt, die mich zum Glauben an Jesus Christus geführt haben. Ich bin Christ geworden. In den drei Monaten, die folgten, habe ich viele Veränderungen in meinem Leben vorgenommen, die ich eigentlich für die Zeit nach dem Aufenthalt geplant hatte. Ich habe nach 5 Jahren aufgehört, Zigaretten zu rauchen, Marihuana zu rauchen und Alkohol zu trinken. Das hatte ich wirklich jeden Tag gemacht. Ich habe Verantwortung für mein Leben gefunden und vor allem für meine Entscheidungen. Der Mensch hat es nämlich sehr gut, er kann wählen, muss dann aber auch die Verantwortung dafür tragen, wie er sich entschieden hat. Mein Leben und überhaupt mein Nachdenken über das Leben und meine Wahrnehmung haben sich verändert. Jeder Morgen, an dem ich aufgewacht bin, wurde zu einem Geschenk Gottes und jeder Moment zu einer Möglichkeit, mich zu entscheiden, Gott näher zu sein oder mich von ihm zu trennen. Am Anfang war es nicht leicht, manchmal hatte ich Lust auf eine Zigarette und mich zu betrinken.. schließlich führte alles zu einer Erkenntnis, einer großen Erkenntnis, was ich eigentlich wirklich zutiefst brauche und nicht das, was ich angeblich will.

Die Zeit verging, und plötzlich stand ich ein paar Tage vor dem Beginn des Aufenthalts, ich habe es gar nicht richtig gemerkt, weil sich mein Leben so verändert hatte, die Zeit verging wirklich schnell. Ich habe über den Aufenthalt mit einer Freundin gesprochen, die mir vom Glauben erzählt hat, und dank ihrer inspirierenden Geschichte, die wirklich stark ist – ich schreibe sie hier nicht auf, aber wenn es ginge, wäre sie besser als das, was ich hier gerade schreibe, wahrscheinlich würde sie die Hälfte von euch, die das lesen, zum Weinen bringen und die andere Hälfte zu einer echten Veränderung ihrer Werte im Leben führen. Sie hat mir gesagt, dass das kein Weg ist, den ein Christ gehen sollte. Ich habe darüber nachgedacht und kam auf die Idee, dass ich dort Buße tun werde. Momente, in denen man sich seiner Sünden bewusst wird ( dem Handeln gegen Gott ) und sie Gott bekennt, denn was ausgesprochen und in Wahrheit bekannt wird, kann vergeben werden. Ich dachte also, das wird eine gute Gelegenheit, mich von der Sünde abzuwenden und mich Gott zuzuwenden.

Als ich mit meinen Eltern unterwegs war, haben wir noch in Kutná Hora angehalten, um durch die Stadt zu gehen und ein bisschen die Schönheit zu genießen. Wir kamen in der Stadt an und ein „alter“ Bekannter ( 70 Jahre ) schrieb mir eine SMS. Wir hatten uns kennengelernt, als ich Hilfe bei der Behandlung meiner Neurodermitis brauchte, er hat mir und meiner Familie sehr geholfen. Er ist katholischer Christ und wir kennen uns schon etwa 3 Jahre. Die zwei Jahre davor habe ich seinen Glauben irgendwie nicht so richtig beachtet, aber inzwischen habe ich einiges verstanden. Dieser Mann hat mir am Anfang unserer Treffen sehr geholfen, durch Gebete und Kräutertees ist mir innerhalb eines Monats das Ekzem im Gesicht verschwunden, und danach habe ich mich unter Menschen viel wohler gefühlt. Er schrieb, ob ich zu Hause sei, er würde vorbeikommen. Ich schrieb ihm, wo ich bin und wohin ich fahre, und sofort hat er mich mit Informationen versorgt, dass das keine gute Idee ist, dass das kein Weg für einen Christen ist. Ich war davon etwas vor den Kopf gestoßen, ich hatte die Wahl, und mich erreichten Informationen, die darauf hindeuteten, dass ich nicht hingehen sollte.

Meine Entscheidung war, dass ich hingehe und bis zum Ende bleibe. Meinen Eltern habe ich nichts davon gesagt, was mir meine gläubigen Freunde gesagt hatten, mein Papa wusste nicht einmal, dass ich glaube. Als wir ankamen, war ich von der Umgebung und der Atmosphäre angenehm überrascht. Eine kleine Anekdote am Rande: Wir trafen uns dort als 3 Tomášs, 2 zum Aufenthalt und 1, der dort dauerhaft wohnt :). In die Dunkelheit bin ich ein paar Minuten später gegangen, als ich gekonnt hätte.

Das Dunkelretreat bekam seine Kraft, als das Licht ausging

Dunkelretreat und SündeAls ich das Licht ausgemacht hatte, bekam das Ganze endlich seine Kraft. Alles, wofür ich mich entschieden hatte, war plötzlich da. Die ersten zwei Stunden hatte ich das Gefühl, dass ich nicht einschlafen werde. Ich saß auf dem Bett und genoss es. Dann sagte ich mir aber, dass ich genug Zeit haben werde, und probierte auch das Schlafen aus. Ich weiß nicht, wie lange ich geschlafen habe, aber es war angenehm. Als ich aufwachte, war es nicht mehr so wie ganz am Anfang. Es war seltsam. In den ersten paar Tagen habe ich alles aufgegessen, was ich dabeihatte, und habe mich immer sehr auf das Essen gefreut, das sie mir gebracht haben. Es war hervorragend.. Meine Erfahrung mit der Dunkelheit war, dass ich mich von Tag zu Tag mehr und mehr in meine Gedanken, meine Gedankengänge vergraben habe, mein Verhalten und meine Einstellung zum Leben füllten von Tag zu Tag meinen Raum.. das war für mich nicht besonders angenehm…in meinem Kopf tauchte mein altes Leben auf, in diesen fünf Jahren habe ich ziemlich viel getrunken und viel erlebt, meistens ziemlich verrückte, aber fröhliche Sachen… mich überwältigte das, was ich hinter mir gelassen hatte… jeden Tag hat es mich mehr erwischt, bis ich wirklich darin versunken war.. irgendwann in der Mitte meines Aufenthalts, ich glaube, es war ein Mittwoch, schlief ich ein, während ich zu Gott betete, er möge mir ein Zeichen geben, eine Offenbarung im Traum, ich betete ziemlich von Herzen, bis ich einschlief… plötzlich war ich in Sportkleidung umgezogen, in der Hand hielt ich einen Floorballschläger, an dem Hallenschuhe hingen, und ich stand vor der Halle, die wir neben dem Internat haben… ich wartete darauf, dass das Floorball anfängt… es fing an zu regnen.. aus dem Nichts erklang überall ein wunderschöner Klang , es war ein Klang, der mir das Herz so erwärmte, dass der ganze Körper in eine kribbelnde, wohlige Wärme versetzt wurde, aus dem Regen wurde Schnee .. ich warf den Floorballschläger weg und lief diesem Klang nach, es war so etwas wie eine Orgel, aber viel stärker und schöner.. sofort kam ich zu einem großen Tempel, der an eine Kirche erinnerte, dort waren große Holztüren, die ich öffnete, und ich sah Scharen von Menschen, sie standen in einer Schlange und bewegten sich langsam zu einem großen Holztisch, an dem etwa 6 alte Frauen saßen.. nachdem ich eine Weile zugeschaut hatte, sah ich, dass die Leute mit einem Teller Suppe von ihnen weggingen… das kam mir seltsam vor, ich dachte, dort findet ein Konzert statt oder so… ich stellte mich an und rückte vor… ich sah mich ziemlich viel an den Wänden und so um, bis schließlich niemand mehr vor mir war, nur der Tisch und die alten Frauen… als ich die letzten paar Schritte machte, sah ich, dass die alte Frau, die das Essen ausgab, sich auch schon einen Teller genommen hatte und bereit war zu essen, aber als ich herantrat und sie mich bemerkte, schob sie mir sofort den Teller hin, ich solle ihre Portion nehmen… ich beugte mich zu ihr und sagte ihr, dass ich sie etwas fragen möchte… „ Sind all diese Leute hier wegen des Essens ? “ .. sie antwortete: „Nicht nur wegen des Essens, sondern vor allem wegen der Erlösung…“ das erfüllte mich mit Ruhe, jetzt wusste ich es… also umarmte ich sie und sagte ihr, dass sie ihre Arbeit sehr gut macht..

Als ich über diesen Traum nachdachte und ihn jemandem erzählte, wurden mir viele Bedeutungen klar, die die Erinnerung an diesen Traum für mich bewahrt.. Dass ein Mensch an Jesus Christus als Erlöser glaubt, ist für ihn ein wichtiger Wendepunkt von seinem alten Leben zu einem neuen Leben, in dem er sein Leben Gott übergibt und sich von seinen eigenen Wünschen abwendet hin zu dem, was Gott von ihm bräuchte, dass er tut, dass er seine Eigenschaften so nutzt, wie Er es sich wünscht… und das nicht nur, damit man sich gut fühlt und sich davon nährt, sondern vor allem und deshalb, damit man zur Erlösung gelangt..

Das Dunkelretreat ist meine Verantwortung

Von diesem Moment an ging es mir schon etwas besser, und ich freute mich schon auf das Ende… um es zusammenzufassen: Ich trug die Verantwortung dafür, dass ich in die Dunkelheit gegangen bin, mit Abstand kann ich wirklich sagen, dass das nicht gerade der richtige Weg für einen Christen ist, auch wenn ich dort zu gewissen Erkenntnissen gekommen bin… dort hat mich meine Vergangenheit überwältigt, und ich habe sehr stark gespürt, dass – egal, wie gut man sich selbst hält – wir vor Gott alle Sünder sind, wir sollten nicht stehen bleiben, es gibt immer etwas zu verbessern und wird es immer geben… nach so einer Woche erwartete mich aber ein unglaublicher Anblick auf die „Dunkelheit draußen“. Ich bin etwa eine halbe Stunde früher aufgestanden als geplant und habe auf die mondbeschienene Landschaft geschaut und dabei eine richtig gute, kandierte Birne gegessen, die Farben, die Düfte, alles war vollkommen, und ich hatte mich nach einer Woche von meinem Kopf erholt… das war sehr erleichternd

Die folgenden paar Tage waren für mich ziemlich schwer, weil diese Freundin und ich aufgehört haben, miteinander zu reden… in den folgenden Wochen habe ich großen Schmerz und Trennung durchlebt … in dieser Zeit habe ich nach einem Vierteljahr an einem einzigen Tag eine Schachtel geraucht, etwa 10 Bier getrunken und einen Joint geraucht, um euch die Wahrheit zu schreiben, es hat nicht geholfen, umso schlimmer war meine persönliche Enttäuschung über meine Entscheidungen

Danach habe ich mir selbst versprochen, dass ich nie wieder rauchen und kiffen werde und dass ich ein Jahr lang nicht trinke, gerechnet ab dem 12.6.2016, um ein Jahr im Glauben zu leben und meine Beziehung zu Gott zu festigen, und ob ich danach trinke oder nicht, entscheide ich dann.

Seit dem Ende des Dunkelretreats sind zwei Monate vergangen und mein Glaube wird immer stärker, was ich euch aber auch schreiben möchte, ist, dass diese junge Frau und ich heiraten möchten, wir wünschen uns sehr, das ganze Leben zusammen zu sein, und langsam, aber sicher erfüllt sich das auch, auch wenn es ein so unglaublich spannender und unsicherer Weg ist, dass er zu großem Nachdenken, Entscheiden und Erkennen führt, zu einer großen Veränderung des Herzens… wir haben uns wirklich sehr gern, aber wir sind noch nicht einmal zusammen, wir lassen uns viel Zeit, zuerst ist es wichtig, im Glauben fest zu werden, Gott an die erste Stelle zu setzen, danach wird sich zeigen, ob wir zusammen sein werden, ob es so sein soll, ich hoffe sehr, dass ja, weil wir zueinander passen, und so Gott will, könnten wir ein paar Monate nach Neujahr schon zusammen sein, dann ist es ein Jahr her, dass ich zum Glauben gekommen bin… vielleicht kommt euch das seltsam vor, mir kam es auch so vor, aber mit jedem Tag verstehe ich es mehr und mehr, Gott existiert, und wenn ihr ihm euer Leben übergebt, hilft er euch, das zu erreichen, was ihr wirklich braucht

Macht’s gut
viele Grüße, Tomáš ( 20 ) 🙂
Gott sei mit euch

Kamil – Im Dunkeln habe ich Glück, Ruhe und Liebe gefunden

Um ganz von vorn anzufangen… Von der Dunkeltherapie habe ich vor etwa 6 Jahren in einem Zeitungsartikel erfahren. Das hat mich sehr angesprochen, und sofort begann ich mit dem Gedanken zu spielen, diese „reinigende“ Methode am eigenen Leib auszuprobieren. Reinigend schreibe ich deshalb, weil die Dunkeltherapie in diesem Artikel so dargestellt wurde. In den letzten 6 Jahren bin ich ab und zu auf einen weiteren Artikel gestoßen und habe später auch ein Buch über das Dunkelretreat gelesen. Auch nach diesen weiteren Informationen verband ich die „DUNKELHEIT“ nur mit dem Ordnen der Gedanken und natürlich mit einem ungewöhnlichen Erlebnis. Anfang des Jahres habe ich mich dann getraut und einen Termin reserviert. Später habe ich versucht, ihn gegen einen frei gewordenen zu tauschen, weil er sich mit meinem Urlaub überschnitt, das hat geklappt, und am 18. Juni war mein Antritt. Auf das Dunkelretreat habe ich mich gefreut, und am Tag des Antritts war ich seit dem Morgen in einem seltsamen Zustand von Apathie.

Das Dunkelretreat schön nach Sonnenuntergang

Nach Sonnenuntergang habe ich die Tür der Hütte geschlossen, mir eine letzte Dusche bei Licht gegönnt, meine Sachen geordnet und die Abstände abgeschritten. Ich holte tief Luft, und es war dunkel… Die erste Nacht habe ich durchgeschlafen, und ab dem Morgen versuchte ich, mir einen Tagesplan zu machen, um die geplante Woche im Dunkeln zu füllen. Ich bin aufgestanden und habe die Energie „à la“ Tai Chi in Fluss gebracht, Frühstück und Körperpflege, kurze Pause (die meist in Schlaf überging), Yoga, kurze Pause, dann kam meist Lenka mit einem ausgezeichneten Essen, und darauf konnte nichts anderes folgen als das Erkunden aller Köstlichkeiten und das Verspeisen eines Teils davon (der liebste Teil des Tages), nach dem Essen eine längere Pause, Übungen und Dusche und wieder eine kurze Pause. Tagsüber habe ich versucht zu meditieren, bin aber meistens eingeschlafen, was mich nicht aus der Ruhe brachte, ich habe es angenommen. Die nächste Nacht habe ich etwas schlechter geschlafen, mein Rücken fing an wehzutun, vielleicht vom weichen Bett, vielleicht kam es von der Reinigung des Organismus, wer weiß… Am nächsten Tag habe ich meinen Plan fortgesetzt und bin vom Bett auf den Boden umgezogen, wo ich mir ein bequemeres Lager gemacht habe.

Im Dunkeln habe ich Lichteffekte gesehen

Der zweite Tag verging wie im Flug, nichts Besonderes passierte, und ich habe mich an die sehr angenehme Dunkelheit gewöhnt und intime bis liebevolle Gefühle der Einsamkeit erlebt (natürlich in allen Ehren :). Der dritte Tag schien sich am Morgen durch nichts von den vorherigen zu unterscheiden, nach der Morgengymnastik sah ich jedoch blinkende Fugen zwischen den Paneelen an der Wand, dann ging es weiter mit leuchtender Schokolade, und im Laufe des Tages erschien mir ein heller Kreis mit einem regelmäßigen Gitter. Nach dem Essen zogen über meinem Kopf schon Wolken aus kleinen Steinen vorbei. All diese „Lichteffekte“ nahm ich als Reaktion des Gehirns auf den Lichtmangel, also widmete ich mich weiter meinem Tagesplan. Während der Übungen flogen mir dann aber schon Lichter und unbekannte Gesichter um den Kopf… Also habe ich geduscht, mich auf mein Lager gelegt und nur noch beobachtet, was mir die Dunkelheit gab. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, aber auf der körnigen Leinwand vor meinen Augen spielte sich eine Geschichte ab, oder eher das Ende der Lebensgeschichte eines Menschen aus längst vergangener Zeit. Dreimal hintereinander sah ich, was er (oder was ich) durchmachte, bevor er an den Ort gelangte, an den wir alle einmal kommen. Und in den auch ich für ein paar Sekunden hineinschauen durfte und grenzenloses Glück, Ruhe und eine solche Menge an Liebe spürte, dass Worte es nicht einmal annähernd beschreiben können…

Diese ganze Geschichte lief auf der schwarzen Leinwand vor meinen Augen, als würde sie aus einem Teil meines Gehirns gesendet, den ich sonst nicht nutze, und nach der dritten Wiederholung tat mir der Kopf so weh, dass ich versuchte, die „Projektion“ zu unterbrechen, aber egal, was ich tat, es gelang mir nicht.

Sterne nach dem DunkelretreatDeshalb habe ich beschlossen, die Hütte zu verlassen. Draußen, obwohl es gegen 2 Uhr morgens war, blendete mich das Mondlicht, und es dauerte ein paar Minuten, bis ich ein paar Schritte zurück in unsere Welt machen konnte. Nachdem ich mich eine Weile umgeschaut hatte, holte ich mir eine Isomatte und legte mich unter den Sternenhimmel. Solche Sterne hatte ich noch nie gesehen…

Bis zum Morgen habe ich kein Auge zugetan, und mit den ersten Sonnenstrahlen, die ich mit Tränen in den Augen begrüßte, wurde ich neu geboren.

Ich bin anders… …die Welt um mich herum ist anders… ich weiß jetzt, wohin ich gehe, was ich will…

Es gibt in meinem Leben noch immer viele Ereignisse, bei denen mir nicht klar ist, warum sie passiert sind. Aber jetzt sind es schon mehr, die an die leeren Stellen gefallen sind und deren Grund ich verstanden habe.

Jeden Tag verändere ich mein Leben zum Besseren… Und ich glaube, nicht nur meins…

Danke für alles!

Kamil

Alex – Panik und Kriegstrauma

Dunkelretreat und KriegstraumaEs ist schon fast zwei Wochen her, dass Lenka und Tomáš sich bei mir gemeldet haben, ob ich nicht etwas über mein Dunkelretreat schreiben würde. Ich wusste zwar sofort, dass ich zumindest ein paar Zeilen schreiben will, aber die richtigen Worte wollten nicht so recht kommen, denn wie beschreibt man einfach ein Gefühl?

Dunkelretreat für einen Neuling

Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse, aber vor der Dunkelheit hatte ich keine Angst, weil ich mir sagte, die Dunkelheit ist eine Frau, und wir werden uns bestimmt gut verstehen. Wie hinterhältig diese Frau ist, habe ich schon zehn Minuten nach dem Ausschalten des Lichts gemerkt, denn ich habe es geschafft, mich in der Dusche zu verirren (und auch in den folgenden Tagen war dieser Ort für mich ein echtes Bermudadreieck).

LOL Die ersten zwei Tage verliefen völlig entspannt, dafür zeigte sich am dritten Tag, dass wirklich jeder genau in dem Moment in die Dunkelheit kommt, der für ihn am passendsten ist.

Draußen flogen auf einmal viele Kampfjets über uns hinweg (was in diesem Ausmaß angeblich ungewöhnlich war), und zusammen mit einem Gewitter und damit, dass an dem Tag meine innere Uhr völlig durcheinandergeriet und ich jedes Zeitgefühl verlor, geriet ich in ziemlich große Panik, und das löste bei mir ein „Kriegstrauma“ aus, mit dem ich mich schon ein paarmal beschäftigt hatte, zum Beispiel bei Familienaufstellungen.

Vor meinen Augen blitzten Bilder vom Himmel mit Kriegsflugzeugen und ähnliche Dinge auf, die Gefühle waren sehr intensiv, und ich fing sogar an, mich in Türen zu bücken (als ob es in mir Erinnerungen an eine niedrige Decke wachrief), aber ich spürte, dass dadurch Heilung geschieht.

In der Dunkelheit denkst du darüber nach, wer du bist und wohin du gehst

Natürlich hat man viel Zeit, über verschiedene Dinge nachzudenken, darüber, wer man ist und wohin man geht, und ich würde sagen, dass es mir in dieser Hinsicht sehr geholfen hat, meine Gedanken zu ordnen und mir klarzumachen, was ich im Leben wirklich will. Außerdem hat mir die Dunkelheit einen gewissen Abstand gegeben, ja sogar Mut, weil ich mir sage: Wenn ich schon das einwöchige Dunkelretreat geschafft habe, schaffe ich im Leben alles; und bisher klappt das ganz gut. 🙂

Ich danke euch beiden für alles und möchte mich besonders für das hervorragende Essen bedanken, am meisten würde ich den Couscous mit getrockneten Tomaten hervorheben (mjam), und für die Geduld, mit der Lenka mir zugehört hat, wenn ich reden wollte.

Zum Schluss teile ich noch den letzten Satz, den ich in der Dunkelheit in mein Tagebuch geschrieben habe:

„Danke, Dunkelheit, für alles, es war ein super Erlebnis.“

Mit Liebe, Alex

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