Ich habe beschlossen, Euch meine Erlebnisse von meinem Dunkelretreat bei Euch aufzuschreiben. Ich schreibe gleich am Abend, nachdem ich nach Hause gekommen bin. Einerseits solange alle Eindrücke noch frisch sind, und andererseits werden auch ein paar meiner Freunde und meine Familie jedes Detail wissen wollen – also schicke ich ihnen diesen Brief weiter und beantworte danach nur noch ihre Fragen.
Vom Dunkelretreat weiß ich schon lange
Ich fange ganz von vorne an. Von der Dunkeltherapie weiß ich schon seit einer ganzen Weile. Ich habe im Internet gelesen, was ich finden konnte, mein Liebling Jarda Dušek hat das auch durchgemacht und war unglaublich begeistert. Es wurde gut darüber geschrieben, es wurde gelobt, aber auch mit leichter Herablassung. Ehrlich gesagt habe ich versucht, es mir vorzustellen. Ich habe versucht, mir vorzustellen, was es mir bringen sollte, aber die Angst hat überwogen. Eine Woche ist eine lange Zeit. Eine ganze Woche……Tag und Nacht…. . im Dunkeln……nur Ich und Ich……. wir zwei und pechschwarze Dunkelheit und Stille! Keine Nachrichten von draußen, kein Fernseher, kein Radio, kein Handy, kein Internet, keine Menschen, keine Ablenkung……keine Störung. Nein, ich habe nicht einmal die kleinste Überzeugung gespürt, dass das etwas für mich ist, etwas, das ich schaffen würde. Also habe ich es beiseitegeschoben und reifen lassen.
Dann, nach ziemlich langer Zeit, bin ich zum Gedanken an ein Dunkelretreat zurückgekehrt. Das Leben ist ein unglaublich witziger und erfinderischer Meister des Spiels. Früher oder später schubst es dich sowieso genau dorthin, wo du sein musst, um weiterzukommen, nach oben, wie man heute sagt, aufs nächste Level.
Ich habe das Internet durchsucht und viele Angebote für Dunkelretreats unter die Lupe genommen. Ich hatte keine Ahnung, dass es so viele gibt! Nach langem Suchen habe ich mich genau für Euch entschieden. Aus vielen Gründen. Alles, was ich wissen musste, stand auf Eurer Website, alles war beschrieben, sogar was man anziehen soll, was für eine Frau eine sehr wichtige Information ist, auch im Dunkeln gut aussehen…. . nur ein Scherz. Vor allem hat mich die Gegend um Kutná Hora angesprochen, die entgegenkommende Art, die Lage versprach laut Karte wirklich Ruhe, und ich habe auch die Berichte von Leuten gelesen, die schon ein Dunkelretreat hinter sich hatten. Ob sie positiv waren oder nicht – mir hat gefallen, dass Ihr dort ausnahmslos alles veröffentlicht. Ich habe einfach gespürt, dass das der richtige Ort ist.
Ein Dunkelretreat zu reservieren sollte ein Kinderspiel sein
Also, hurra, einen Termin reservieren. Das wird ein Kinderspiel, so viele Leute werden sich da schon nicht anmelden. Wie groß war aber meine Überraschung, als ich feststellte, dass Euer erster freier Termin erst in einem halben Jahr war?! Na ja, was soll man machen, wahrscheinlich soll es so sein. Also habe ich mich angemeldet, bezahlt und gewartet. Ich habe versucht, mich irgendwie auf diese Prüfung vorzubereiten, nach meinen eigenen Vorstellungen. Damit will ich Euch nicht belasten. Ich kann nur sagen, dass man sich darauf nicht wirklich vorbereiten kann, wenn man diese Erfahrung noch nicht hat, denn man weiß überhaupt, aber wirklich überhaupt nicht, was einen erwartet, was kommt und wie das Ganze aussehen wird.
Und plötzlich war der Tag da. Ich muss sagen, dass ich am Samstag am frühen Abend mit großem Respekt bei Euch angekommen bin, nicht mit Angst, sondern mit Respekt. Ich konnte mir überhaupt nicht, aber nicht im Geringsten vorstellen, worauf ich mich einlasse und was mich erwartet. Ich wollte nur, dass sich endlich die Tür hinter mir schließt und es losgeht – und Ich und Ich würden sofort abhauen und nach Hause rennen. Schande hin oder her, Hauptsache, sie kriegen uns nicht! Nicht einmal ein Spaziergang durch Kutná Hora hat meinen großen Respekt irgendwie zerstreut. Ich bin als Allererste bei Euch angekommen, genau um sechs Uhr abends. Aber ich war in so einer Trance, dass ich mich danach überhaupt nicht erinnern konnte, wie Euer Haus aussieht, der Garten, wie wir zur Hütte-Heiligtum gegangen sind (der Ausdruck gefällt mir). Ein bisschen erleichtert war ich, als ich die Anweisungen bekam, was wie ablaufen wird, und dass Ihr jeden Tag da seid, falls ich reden müsste, etwas besprechen wollte, und dass ich jederzeit zur Tür hinausgehen, gehen kann……das Licht ist nur ausgeschaltet, wenn es also ganz schlimm würde, kann ich es anmachen. Ich bin ja aus freiem Willen dort und niemand zwingt mich.
Zum Glück hatte ich ein Dunkelretreat ohne Gespenster, ohne Geister und ohne Wanzen und ohne Kleiderbügel 😀 (jetzt kann ich darüber schon Witze machen…. )
…und die Hand auf den Schalter……. Klick………Dunkelheit!
Als Ihr gegangen seid und mir eine gute Nacht gewünscht habt, habt Ihr gesagt, wenn ich bereit bin, soll ich das Licht ausmachen, und das Abenteuer kann beginnen. Ich habe das Gelände gründlich erkundet, damit ich weiß, was ich wo finde, die Abstände. Beruhigt hat mich, dass ich Bettwäsche mit den Ninja Turtles hatte, die werden mir Kraft geben, ich muss vor nichts Angst haben! Dann Dusche, Zähne putzen, meine Sachen so verteilen, dass ich sie im Dunkeln finde, Kontrolle………und die Hand auf den Schalter……. Klick………Dunkelheit!
Aber das war wirklich eine pechschwarze, undurchdringliche Dunkelheit! Na, Mädel, jetzt zeig mal, was du kannst!
Nirgendwo, nicht einmal durch einen Spalt, drang auch nur das winzigste Fünkchen Licht. Sogar der Hintern hat sich mir vor Beklemmung zusammengezogen bei der Vorstellung, dass ich hier eine ganze Woche mit Mir, der Stille und der Dunkelheit sein werde. Ich habe mich aufs Bett gelegt, dorthin geschaut, wo die Decke sein sollte, und gewartet, was passiert.
Ich muss sagen, dass mich die Dunkelheit zu meiner angenehmen Überraschung nicht erschreckt hat, wie ich befürchtet hatte. Ich habe keine Angst gespürt. Sie war so schwarz, dass da kein Platz für Schatten und Ängste übrig blieb. Zumindest habe ich es so empfunden. Und das die ganze Zeit. Nur die Hütte hat sich für mich auf verschiedene Weise vergrößert und ihre Form verändert. Das Waschbecken und die Toilette hat jemand umgestellt, die Wände verschoben. Einmal, zweimal treffe ich ganz problemlos in die Dusche, und beim dritten Mal ist da eine Wand. Die Dunkelheit war so schwarz, dass ich meine Hand nicht gesehen habe, nicht einmal, wenn ich sie direkt vor dem Gesicht hatte.
Ich habe herrlich ausgeschlafen
Von Samstag bis Dienstagnachmittag, glaube ich (nur daran gemessen, dass Lenka mir das Essen gebracht hat, eigentlich weiß ich nicht, wie spät es war), habe ich am Stück geschlafen. Die ganze Zeit! Ich habe herrlich ausgeschlafen!! Aber danach bin ich, obwohl im Dunkeln, nicht mehr einfach so eingeschlafen. Und jetzt fing es an, richtig spannend zu werden. Ich habe über alles Mögliche nachgegrübelt, in die Finsternis gestarrt, wahrscheinlich stundenlang, und mir gesagt, dass das eine verrückte Idee war, dass ich das nicht aushalten kann…. . ja, gut, drei Tage, aber ich soll ja noch den ganzen Mittwoch, Donnerstag, Freitag hier sein und erst am Samstagmorgen……
Überraschenderweise hatte ich keine Angst vor der Finsternis, ich habe mich auch nicht einsam gefühlt……keine Hysterie. Aber plötzlich kommen Dinge an die Oberfläche, die irgendwo tief in dir versteckt sind und von denen du gar nichts mehr weißt. Sie sind nicht furchterregend, nur sehr unangenehm in ihrer Dringlichkeit und Hartnäckigkeit. Sie haben eine Gelegenheit gewittert…. . „Achtung, Zeit zum Aufräumen, heute kann sie uns nicht in die Ecke drängen, unter den Teppich kehren…. die liebe Monika hat überhaupt, aber auch gar keine Ablenkung!“
Na, und so habe ich geputzt und geputzt und geputzt…. .
„Mädel, du schaffst das! Überleb den Mittwoch, und dann läuft’s!“
Ich war unendlich dankbar, dass ich ein Retreat mit Essen einmal am Tag hatte, und noch dazu zu unterschiedlichen Zeiten. Wenigstens für einen Moment wurden meine aufdringlichen Gedanken und mein Grübeln vom lauten Magenknurren übertönt und auch vom Klopfen an der Hütte, das ankündigte, dass Lenka oder Tomáš mit irgendeinem suuuuuuuuuper Essen kommt, mit Obst und vor allem, wirklich, mit einem warmen menschlichen Wort! Hier passt dieses Klischee, denn dafür war ich unendlich dankbar! Das ist eines der Dinge, die mir geholfen haben, durchzuhalten und nicht aufzugeben. Und solche Gedanken hatte ich, oh ja! Ich habe mir gesagt…. . „Mädel, du schaffst das! Überleb den Mittwoch, und dann läuft’s!“ Ganz so stimmte das nicht, aber du gibst doch nicht auf, wenn du schon so weit gekommen bist!!!
Und so wurde weiter geputzt und geputzt……. . meine Sehnsucht nach Licht, frischer Luft, Sonne, dem Rascheln der Blätter, Wind auf den Wangen war so groß, dass ich am Donnerstag und Freitag hier und da das Gefühl hatte, die Dunkelheit sei gar nicht mehr so pechschwarz, ich hätte eine Stirnlampe, zwar mit einer sehr schwachen Batterie, aber sie leuchtet doch noch. Mir kam es vor, als sähe ich die Umrisse der Dinge, aber wenn ich genauer hinschauen wollte, hat sie mir jemand absichtlich ausgeschaltet. Das hat sich ein paarmal wiederholt. Ein lustiges Spiel!
Für diese Morgendämmerung am Samstag hat es sich gelohnt!
Wenn sonst nichts, aber ich sage, wenn…. . dann hat sich das ganze Dunkelretreat für diesen einen einzigen, kurzen und flüchtigen Moment gelohnt…. . nämlich die Morgendämmerung am Samstag.
Schon am Freitagabend, als mir Tomáš das letzte Abendessen brachte (es war das Mittagessen, aber für mich das Abendessen), hatte ich so eine riesige Freude!!!! Er brachte auch einen Wecker, der auf halb sechs morgens gestellt war. Kurz bevor es zu dämmern beginnt. Allerdings verging dieser Tag und diese Nacht nicht so schnell, wie ich dachte. Im Gegenteil. Und er hat mir nichts geschenkt. Räum das in deinem Kopf nur schön auf, oder wo auch immer…. .
Schließlich bin ich für eine Weile eingeschlafen, aber vor lauter Ungeduld bin ich aufgestanden, bevor der Wecker klingelte. Ich habe mich auf die Welt mehr gefreut als ein Neugeborenes. Ich hätte vor Freude glatt geschrien, als der Wecker klingelte, aber dann hätte ich den ganzen Zauber kaputtgemacht.
Tomáš hat gesagt, dass mir schwindlig werden wird, wenn ich die Tür öffne, und dass ich mich auf die Schwelle setzen soll, bis es ein bisschen nachlässt. Ich muss sagen, dass es mich ganz schön hin und her geworfen hat, wie nach drei Bier, bis zum Nachmittag.
Ein Dunkelretreat muss man erleben
Aber dieser wunderbare Moment, wenn du nach einer Woche in tiefer Dunkelheit die Tür der Hütte öffnest und da scheinen der Mond und die Sterne, der Himmel ist klar, du siehst Bäume, Sträucher, die Natur getaucht in Mondlicht……das war wie eine Belohnung……etwas Wunderschönes…. . und ich stand nur da und spürte so eine riesengroße Dankbarkeit…. . das kann man mit Worten nicht einmal beschreiben. Das muss man erleben!
Und dann begann der Horizont hell zu werden…. . der Hahn krähte…. . und die Sonne ging auf!
Ich bin durch den Garten gelaufen (danke dafür, Tomáš, Lenka), habe über den Zaun auf die Felder geschaut, wie die Welt erwacht, und es war nicht nur so, als ob, sondern wirklich zum ersten Mal anders. Eine gewaltige Ruhe und ein tiefer Frieden, alles so scharf und klar…. grasende Rehe in Sichtweite, in der Ferne ein röhrender Hirsch in der Brunft, die Vögel überboten sich gegenseitig im Gesang…. .
Ich wünschte, ich könnte es euch weitergeben
Ich wünschte, ich hätte so eine wunderbare Fähigkeit wie Abe Sapien in Hellboy, dass eine bloße Berührung der Handflächen genügen würde und ich euch meine inneren Bilder weitergeben könnte, ohne dass zu viele überflüssige Worte das Ganze verderben. Vielleicht eines Tages……
Ich bin gut zu Hause angekommen, auch wenn die Welt immer noch geschaukelt hat.
Die ganze Welt war schärfer und heller. Und um mich ein bisschen zu erden, ich meine dieses Schaukeln, bin ich im Park und im nahen Tal spazieren gegangen. Ich habe immer noch so eine unglaubliche Dankbarkeit und Ruhe gespürt!!!!!
Kurz und gut: Das Dunkelretreat in Lomec hat mich ordentlich durchgerüttelt, und ich danke Lenka und Tomáš von Herzen für all die Liebe und Fürsorge, mit der sie sich die ganze Zeit um uns gekümmert haben. Herzlichen Dank, und ich wünsche Euch nur glückliche Tage!!!
Es gibt noch mehr, aber viele Erlebnisse und Erkenntnisse sind einfach nicht übertragbar, nicht weiterzugeben. Danke für jede einzelne. Ich hoffe, dass ich mir diese unermessliche Ruhe in der Seele, in mir, noch sehr, sehr lange, wenn nicht für immer bewahre!
Und tiefe Dankbarkeit für alles, was in mein Leben kommt!
Monika



