Hallo Lenka und Tomáš,
obwohl ich schon seit mehr als einem Monat vom Dunkelretreat zurück bin, bin ich noch nicht dazu gekommen, wenigstens ein paar Eindrücke aufzuschreiben, die aber nur Randnotizen sind.
Die eigentliche Erfahrung ist unbeschreiblich, und wer je zögert, ob er so ein Retreat machen soll: Ich kann es nur empfehlen.
Ich hatte Angst davor…
Am meisten Angst hatte ich an dem Tag, an dem ich angereist bin, also am Samstag. Die Ankunft war zwischen 16:00 und 17:00 Uhr, und ich war schon seit dem Morgen nervös, und mehrmals kam mir sogar der Gedanke, im letzten Moment noch abzusagen, und erst recht, als ich die Hütte ohne Fenster sah 😉 .
Ein bisschen beruhigt hat mich Tomáš (Anbieter und Gastgeber), als ich dort fast in Tränen ausbrach und ihm sagte, dass ich Angst habe. Er sagte, das sei völlig in Ordnung, im Gegenteil: Wer zu eingebildet ist und meint, mit dem Dunkelretreat einfach noch eine Mutprobe für die Sammlung abzuhaken, packt meistens am zweiten Tag die Koffer. Zur Sicherheit habe ich mich aber vergewissert, wo ich das Licht einschalten kann und dass ich auch selbst aufschließen und gehen kann. Ich hatte Angst, dass ich in Panik geraten und unbedingt an die frische Luft müsste, oder dass ich mich zu Tode langweile und dass man es dort ohne Bewegung nicht aushält usw. NICHTS DAVON IST PASSIERT!
Was hat es mir gebracht?
Damit ich endlich dazu komme, was es mir eigentlich gebracht hat: Erstaunlicherweise begann mich die Finsternis etwa 2 Stunden, nachdem ich das Licht ausgeschaltet hatte, zu beruhigen. Ich dachte über Dinge nach, die ich nicht gelöst oder verdrängt hatte, ich bereute Fehler, die ich gemacht hatte, und es hat mich sehr erleichtert, mich auszuweinen.
Es kamen auch schöne Erinnerungen, sogar solche, an die ich bestimmt seit 100 Jahren nicht mehr gedacht hatte, zum Beispiel wie ich mir im Kindergarten eine Perle in die Nase gesteckt habe und sie nicht mehr herausbekam und so… Ich hatte das Gefühl, dass ich mir nicht wirklich aussuchen kann, worüber ich nachdenke, und so habe ich es fließen lassen, so wie es kam und wieder ging.
Einmal am Tag brachten mir Tomáš oder seine Frau das Essen, und wenn ich wollte, konnte ich mit ihnen darüber reden, was ich gerade erlebe. Das hat mir gutgetan, und außerdem wusste ich so, der wievielte Tag es war und wie spät es ungefähr war. Natürlich habe ich mich darauf gefreut, wenn es vorbei ist und ich wieder die Natur sehe, aber gleichzeitig wusste ich schon dort, und weiß es auch jetzt, dass ich es gern wiederholen werde.
Vielen Dank für alles, und ich freue mich auf ein Wiedersehen.
Lucka


