Mein Dunkelretreat fand Ende Mai, Anfang Juni statt. Es begann angenehm mit einem langen Schlaf voller überraschend lebendiger und farbiger Träume. Sie haben mich durch den ganzen Aufenthalt begleitet. Nach dem Aufwachen konnte ich mich sehr gut an sie erinnern und dachte mir, dass jeder einzelne Stoff für eine interessante Analyse wäre …
Was soll ich hier eine ganze Woche allein machen?
Nach dem ersten Aufwachen, als ich die Augen öffnete und mir bewusst wurde, dass ich hier in der Dunkelheit bin, überkam mich Beklemmung bei der Vorstellung, was ich hier eine ganze Woche allein machen soll … und draußen ist es so schön … Nach einer Weile habe ich mich an die Dunkelheit gewöhnt, es kam das Gefühl, mich der Situation hinzugeben, die ich mir ja selbst ausgesucht hatte, und die ersten 3 Tage habe ich seeehr viel geschlafen und geträumt. Die Situation annehmen und Schritt für Schritt gehen. Mich nicht mit Grübeleien über die Zukunft quälen.
In die Dunkelheit habe ich eine Schamanentrommel, eine tibetische Klangschale, einen Stein, Papier und Buntstifte mitgenommen.
Aber die Dunkelheit war überhaupt nicht dunkel …
Nach den ersten Tagen voller Schlaf dachte ich, ich sei am Bett festgewachsen. Nicht einmal zur Toilette wollte ich aufstehen. Als mir das Bett nicht mehr bequem war, legte ich mich auf die Matte auf dem Boden und habe einfach nur in die Dunkelheit geschaut. Aber die Dunkelheit war überhaupt nicht dunkel, vor meinen Augen spielten sich Situationen aus meinem früheren und jetzigen Leben ab. Tief vergrabene Kindheitserlebnisse kamen mir wieder in den Sinn. Ich konnte das alles wie einen Film anschauen. Manche brachten Gefühle der Freude, manche der Traurigkeit, manche zogen einfach neutral vorbei. Sie brachten ein tieferes Verständnis für mich selbst und mein Leben mit sich.
In der Dunkelheit habe ich Formen gesehen
Was mich nach und nach immer mehr aus dem Kopf herausführte, waren Lichter und manchmal auch Formen, die mir in der Dunkelheit erschienen. Am häufigsten wiederholte sich ein Mosaik in Form der Blume des Lebens, von Farben durchstrahlt.
Die Lichterscheinungen begleiteten mich ständig und wurden mit der Zeit immer intensiver. Ich nahm Licht wahr, das aus meinem Körper im Brustbereich und um den Kopf herum kam. Ich fing an, darüber Witze zu machen, und sagte mir, dass bei mir nach und nach das Licht angeht. 🙂 Als hätte jemand über meinem Kopf oder an den Seiten ein gedämpftes Lämpchen angeknipst.
Ich nahm wahr …
Ab dem 3. oder 4. Tag begann ich morgens und abends Sonnengrüße, Tai-Chi und andere Übungen zu machen. Danach habe ich meditiert, getrommelt und die Klangschale gespielt. Es war wunderschön, die Töne so ungestört und voller wahrzunehmen.
Alle Sinne außer dem Sehen (das sich ausruhen durfte) schienen in der Dunkelheit zu erwachen.
Meine Meditation wurde immer tiefer, und dabei kam mir eine für mich wichtige Erkenntnis darüber, wie wichtig es ist, das Herz zu öffnen. Die Kraft, die darin verborgen liegt, ist heilsam, für mich selbst wie auch für die Menschen in meiner Nähe und in der Ferne. Das sollte ich im Leben nie vergessen und diese heilende Kraft unterstützen und weiterentwickeln.
Endlich war es so weit!
In der letzten Nacht vor dem Wecken habe ich kaum noch geschlafen und mich aufgeregt darauf gefreut, dass die Tür aufgeht und ich hinausgehen kann. Endlich war es so weit, und ich ging den Sonnenaufgang beobachten 🙂 . Die Vögel gaben dabei ein wunderschönes Konzert, und ich konnte die frische Luft und die wechselnden Farben genießen, bis zum Morgengrauen und einem klaren Sommertag.
Wenn ich es mit einem Wort beschreiben sollte, dann … Dankbarkeit.
Danke …
Veronika


