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Jakub – endlich raus aus meinem normalen Leben

Gestalt hinter Gittern in einem unterirdischen Gang

Hallo,

ich habe mich wahnsinnig auf das Dunkelretreat gefreut. Ich habe mich darauf gefreut, aus meinem normalen Leben auszusteigen. Darauf, mit mir allein zu sitzen, in der Dunkelheit, ohne irgendetwas, das mich stört, und nach meinem wahren Ich zu suchen. Niemand würde mich bei der Suche unterbrechen, es gäbe keinen äußeren Reiz, auf den ich meine Aufmerksamkeit richten könnte.

Die Suche nach innerer Ruhe in der Dunkelheit

Die ersten Tage war es tatsächlich so. Man hat nichts anderes zu tun, also habe ich mich in mich selbst zurückgezogen und nach innerer Ruhe gesucht. Die stellte sich einige Male ein, und ich hatte mit der Dunkelheit nur positive Erfahrungen. Hand in Hand damit kam auch der Wunsch nach weiteren spirituellen Übungen – und genau deswegen war ich ja in die Dunkelheit gegangen.

Ich glaube, es war Montagmorgen. Ich hatte einen Traum, eigentlich ganz angenehm: Wir drehten eine witzige Werbekampagne. Die erste Sequenz war im Kasten, und der Regisseur verkündete, dass wir das Ganze noch einmal durchziehen. In diesem Moment wachte ich auf.

Das Bewusstsein war wach, aber das Gehirn kam aus dem Traum nicht heraus. Es begann ein innerer Kampf darum, was die Realität ist. Ich war mir sicher, dass die Realität in der Hütte ist, das Gehirn zog mich aber immer wieder in den Traum zurück. Ich versuchte, es mit Übungen, Essen und Duschen zu beruhigen. Nichts half, und ich bekam das Gefühl, gleich verrückt zu werden. Ich brauchte einen visuellen Eindruck, wollte aber nicht das große Licht anmachen und mein bisheriges Dunkelretreat über Bord werfen, also schaltete ich kurz das Telefon ein und leuchtete mit seinem matten Licht. In dem Moment, als ich den Boden und die Wände sah, beruhigte sich alles. Die Augen hatten etwas, woran sie sich festhalten konnten, und das Gehirn begriff endlich, dass ich nicht mehr im Traum bin.

Das war eine ziemlich unangenehme Erfahrung. Tomáš riet mir, es beim nächsten Mal einfach fließen zu lassen und nicht dagegen anzukämpfen. Die Gelegenheit, das auszuprobieren, ließ nicht lange auf sich warten: Gleich in der nächsten Nacht passierte mir etwas Ähnliches. Zum Glück war es nicht so intensiv. Nach dem Aufwachen blieb ich liegen und versuchte, mich auf nichts zu konzentrieren. Nach einer Weile hatte sich tatsächlich alles von selbst wieder eingerenkt.

Gleichzeitig ging es aber mit den „Halluzinationen“ los. Vor meinen Augen liefen ständig Phantasmagorien ab: fallende Nadeln, Wasserfälle, kletternde Menschen, riesige rotierende Scheiben. Abwechselnd blinkte mir ein helles grünes Licht in den Augen. Ständig, immer und immer wieder. Ich konnte Übungen machen, ruhig liegen, nachdenken oder im Gegenteil gar nicht denken. Es lief immer weiter und zog meine Aufmerksamkeit ab. Ich konnte nicht meditieren, es gelang mir nicht, die innere Ruhe zu finden, die sich in den ersten Tagen eingestellt hatte. Ich kam mir vor wie zugedröhnt und hatte große Angst. Da ich nicht mehr das tun konnte, wofür ich in die Dunkelheit gegangen war, und mich sehr unwohl fühlte, beschloss ich, das Retreat vorzeitig zu beenden.

Ich habe das Licht angemacht

Ich habe das Licht angemacht. Draußen war es dunkel, mein Telefon hatte ich Tomáš zum Aufladen gegeben. Deshalb hatte ich keine Ahnung, wie spät es war. Im Haus brannte zwar Licht, aber ich traute mich nicht, nachts so über den Garten zu laufen, der von zwei Kaukasischen Schäferhunden bewacht wird.

Ich dachte mir, es ist wahrscheinlich bald Morgen, und warte ein bisschen auf den Sonnenaufgang.

Es war nicht Morgen – die Sonne ging erst nach etwa 14 Stunden auf 😀 Die Angst und das Zucken hörten aber innerhalb von ein paar Stunden auf. Als ich die Hütte des Dunkelretreats verließ, spürte ich eine riesige Erleichterung und freute mich über die wiederentdeckte Welt draußen. Ich verabschiedete mich von Tomáš und machte mich zu Fuß auf den Heimweg.

Ich habe das Dunkelretreat früher beendet

Ich habe zwar nicht die ganze Woche in der Dunkelheit durchgehalten, aber ich habe bekommen, wofür ich hineingegangen bin. Eine Dunkeltherapie würde ich wohl nicht noch einmal machen, aber ich bereue es auf keinen Fall.

Danke an Tomáš (Lenka war gerade weg), dass er sich um das Nötigste gekümmert hat – und vielleicht auf Wiedersehen 😉

Jakub

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